Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 56 (1912)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die Juden in der Marienlegende
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 266 (sequence 10)
- Language
- German
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266 Die Juden in der Marienlegende. müssen durch Feuer erblinden, welches Engel schleudern. Bellezeray legt die Hand auf die Bahre, auf der man die Jungfrau trägt, und seine Hände bleiben an der Bahre haften. Und auf die Juden muß viel Feuer in Art des Blitzes geworfen werden, und die erblindeten Juden müssen zur Erde fallen. Die Hände des Bellezeray müssen losgelöst und wieder mit seinen Armen verbunden werden. Dann wird ihm der Palmzweig übergeben, mit dem er zu den übrigen (Juden) geht, von denen diejenigen das Augenlicht wieder erhalten, die glauben. Dann bringt er jenen Palmzweig zurück. . . . Jene (Juden), welche sich nicht bekehren wollen, werden von Teufeln gequält und müssen in die Höhe geschleppt werden. Bischof Willibald von Eichstädt, der 786 starb, diktierte einer Nonne zu Heidenheim, die dann sein Leben beschrieb, den Bericht über eine Wallfahrt ins Heilige Land1). Er erzählte ihr bereits denselben Mythus. »Vor dem Tore von Jerusalem steht eine hohe Säule mit einem Kreuz darauf, zum Andenken, daß dort die Juden die Leiche der heiligen Maria rauben wollten. Als nämlich die elf Jünger die Leiche Marias, die in Zion gestorben war, zu Grabe trugen, brachten sie sie aus Jerusalem hinaus. Als sie nun zum Stadttor kamen, wollten die Juden die Leiche rauben. Aber alle, welche die Bahre berührten und die Leiche rauben wollten, blieben an der Bahre hängen, und ihre Arme klebten an ihr fest. Erst Gottes Gnade, auf der Apostel Gebet, befreite sie davon. Nun erst ließen sie dem Zuge freien Weg«. In der Legenda aurea des Jacobus a Voragine ist es der Hohepriester, der den Sarg Umstürzen will aber gelähmt wird. Alle Juden werden geblendet. Als der Hohepriester sich bekehrt hat, wird er geheilt und gibt allen, die glauben, mit dem ihm von Petrus gereichten Palmzweig das Augenlicht wieder. *) Beissek Geschichte der Verehrung Marias in Deutschland, 1909. S. 647. Nach Didron: Annales arcbeologiques XIII (!853) 134 f.