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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1912-01-01 · Heft 3 · p. Seite 265

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
56 (1912)
Issue
Heft 3
Article
Die Juden in der Marienlegende
Date
1912-01-01
Page
Seite 265 (sequence 9)
Language
German
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Die Juden in der Marienlegende. 265 Zion, und die Apostel wandten sich an sie um Rat und Hilfe. Als auf Befehl des Kaisers am vierzigsten Tage die Siegel abgenommen werden, und die Juden zuerst eintreten, da bemerken sie zu ihrem Entsetzen in der Wand der Kirche ein Marienbild, das nicht von Menschenhand verfertigt, gleichsam auf einem Marmorstein wie körperlich lebend und mit purpurnen Gewändern angetan ist, und das zu ihnen hinschaut. Sie getrauen sich nicht einzutreten und entsagen nunmehr allen ihren Ansprüchen. Später gab Kaiser Julianus den Juden den Befehl, das Bild fortzunehmen und ihm zu bringen. Dafür solle die Kirche ihnen gehören. Beim Versuche, dem Befehle nachzukommen, werden sie beim Anblick des Marienbildes von jähem Schrecken ergriffen und lassen von ihrem Vorhaben ab. So knüpft die Marienlegende in ihren Beziehungen zu den Juden bereits an die ältere und älteste Kirchengeschichte an. Bei der Bestattung der Gottesmutter1) versuchte ein Jude die Bahre umzuwerfen. Aber die Hände wurden ihm von den Armen gerissen und blieben an der Bahre hängen. Erst als er Reue äußerte, ließen die Schmerzen nach. Petrus taufte ihn, fügte ohne Mühe die abgerissenen Hände an die Stümpfe an, und sie waren wieder heil und gesund. Bei der Aufführung der Geschichte des Todes und der Himmelfahrt der Heiligen Jungfrau war im mittelalterlichen Bourges u. a. folgendes bestimmt2): Bellezeray, ein Führer der Juden, und andere müssen sich in den Weg stellen, um zu verhindern, daß die Leiche Unserer Lieben Frau ins Grabdenkmal gebracht werde. Die Juden bestreben sich, Hand an die Leiche der Jungfrau zu legen. Und sogleich müssen ihre Hände erstarren, und sie *) Mussafia: a. a. O. 1. S. 940. Aus: Venerabilis Agnetis Blannbekin ... vita et relationes auctore anonyme ... Acc. Pothonis ... über de miraculis S. Dei genitricis Mariae ... ex ms. ed. Bernardus Pez. Viennae 1731. 8°. Ferner Mussafia a. a. G. V, S. 11. *) Gumppenberg a. a. O. S. 536.

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