Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 56 (1912)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die Juden in der Marienlegende
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 263 (sequence 7)
- Language
- German
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Die Juden in der Marienlegende. 263 linge verführt, die heiligen Bilder ebenso der hochseligen Maria wie die anderer Heiligen an allen Orten hinauswerfen lassen, ist aber, von Tabes und Dysenterie ergriffen, zu den ewigen Höllenqualen hinweggerafft1). Den Bilderstürmern folgen dann andere ketzerische Richtungen des Mittelalters. Eine große Zahl der Marienlegenden wendet sich gegen die Albigenser, als die erste große europäische Ketzerbewegung, die der Alleinherrschaft des Katholizismus gefährlich wird. Soweit die Mariensagen in Österreich eine Spitze gegen Andersgläubige enthalten, richten sie diese gegen die Ketzer, insbesondere die Kalvinisten. Bei weitem die meisten der Marienlegenden, die Andersgläubige und Ungläubige berühren, beschäftigen sich mit den Juden. Sind diese doch das Vorbild für den Unglauben, und wo solcher auftritt, versucht man ihn durch die Existenz der Juden und die Verführung durch sie zu erklären. Die Feindschaft zwischen Maria und den Juden wird als eine gegenseitige, in den Geschehnissen begründete angesehen, ln einem historischen Volksliede, daß die Vertreibung der Juden aus Rothenburg an d. Tauber von 1520 besingt, wird das Verdienst des Dr. Theuschel (Johann Deuschlin) um diese Austreibung auf Maria zurückgeführt: »Und das die schelck vertriben seint, Es ist der gottes wille, Maria die ist jn veind«. Diese Feindschaft wird auf ihre Schmerzen um den Tod ihres Sohnes zurückgeführt. Der Dichter Kuntz Has (haß) weist auf die Heilung von Blinden, Erweckung der Toten Und andere Wunder hin, die in der, im Zusammenhang mit der Vertreibung an der Stelle der Synagoge erbauten, Marienkapelle gewirkt wurden* *). Maria ist der Juden Feindin, wie diese ihre Widersacher. ') B o u'r a s s e : Summa aurea. T. 12. Sp. 754. Sigismund Hosmann: Das schwer zu bekehrende Juden-Hertz, Zelle, 1699, S. 196 ff. 206 ff. Fridr. Spanbemius: Historia Christians. Saec. VIII, 11,2. Opera. Lugd. Bat. 1701. Sp. 1324. *) Ein new Lied von der statt Rottenburg an der thawber vnd