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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1912-01-01 · Heft 3 · p. Seite 261

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
56 (1912)
Issue
Heft 3
Article
Die Juden in der Marienlegende
Date
1912-01-01
Page
Seite 261 (sequence 5)
Language
German
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Die Juden in der Marienlegende. 261 wo eine solche ganz verwandte Legende Maria und den Glauben an sie höher als Christus und den Christusglauben stellt. Der Ritter, der sich aus seiner Armut mit Teufels Hilfe retten und auf dessen Verlangen Christus verleugnen will, läßt sich aber nicht zur Verleugnung Marias herbei. Dafür ist ihm Maria hold, und mit ihrer Hilfe erhält er die einzige Tochter eines reichen Ritters zur Frau. Die Hs. lat. 18134 (13. Jahrh.) in Wien enthält folgende Geschichte, die den Marienglauben sehr hoch stellt, und auch neben den Christusglauben1 * *). Ein Mann verarmt und will sich ins Wasser stürzen: Der Teufel in Menschengestalt verspricht ihm, ihn wieder reich zu machen, wenn er Christus und Maria verleugnen will. Ersteres will er tun, das Zweite nicht; der Teufel verläßt ihn. Reue erfüllt ihn darüber, daß er Gott verleugnet hat; er fleht Maria an, die ihm Verzeihung erwirkt. Ein Spieler flucht bei den Gliedern Christi. Als er auch bei Maria flucht, erhält er einen Schlag und stirbt*). Ein Kaufmann schwört zu Gunsten seines unlauteren Handels bei Christus und den Gliedern Christi; als er später auch Marias Glieder nennt, stirbt er eines schrecklichen Todes8). Auch hier scheint eine höhere Bewertung Marias als ihres Sohnes vorzuliegen. Überhaupt genügt es in diesem ganzen Legendenkreise, nur Ave Marie fleißig zu sagen, um allen Strafen zu entgehen. »Da ist kein Dieb, kein Schlemmer, kein Räuber, kein Gottesleugner, der, wenn er sein Ave Maria regelmäßig gesprochen, ein Blümchen für die Jungfrau gebracht oder sie in Nöten anruft, nicht ihr ewiges Erbarmen zur Fürbitte beim Jesuskinde anregte«4 *). Die Gottheit und Göttlichkeit der Gottesmutter ist *) Mussafia a. a. O. I, S. 982; II, S. 54; IV, S. 8. s) Mussafia a. a. O. III, S. 9. *) Mussafia a. a. O. I, S. 992. 4) Karl Qoedeke: Deutsche Dichtung im Mittelalter. Hanover 1854. S. 132.

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