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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1912-01-01 · Heft 3 · p. Seite 260

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
56 (1912)
Issue
Heft 3
Article
Die Juden in der Marienlegende
Date
1912-01-01
Page
Seite 260 (sequence 4)
Language
German
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260 Die Juden in der Marienlegende. Weit mehr noch als in der Hymnendichtung kommt aber die siegreiche Aufwärtsbewegung der Marienverehrung in den zahllosen Legenden des Mittelalters und auch noch der Neuzeit zum Ausdruck. Die Kraft, die allein schon der bloße Klang des Namens Maria in der Legende hat, zeigt sich auch in der kleinen Geschichte, wo ein Star, dem man beigebracht hat, Ave- Maria zu plappern, aus den Fängen eines Habichts sofort befreit wird, als er in seiner Todesangst zufällig mit seinem Ave-Maria beginnt1). Daß der Marienglaube in diesem Legendenkreise zum wenigsten nicht hinter dem Christusglauben zurückbleibt und Maria mindestens ihrem Sohne gleich gilt, das beweisen einige von Mussafia aufgeführte Legenden. Ein Mann verarmt und ruft den Teufel an; ein Jude will ihm helfen, wenn er Christus verleugnet. Dazu erklärt er sich bereit; Maria aber will er nicht verleugnen. Da gibt ihm der Jude nichts. Als er eines Tages vor einem Bilde Marias steht, neigt dieses das Haupt, wie um ihm zu danken. Dies sieht ein reicher Mann, der zufällig in der Kirche ist und fragt den nackten und schwachen Menschen um die Ursache. Der erzählt ihm alles, und der reiche Mann giebt ihm seine Tochter zur Frau2 *). Daß Jude und Teufel viel mit einander zu tun haben und durchaus zusammen gehören, liegt ganz im Bereiche der Denkweise dieser Legenden und ihrer Er- Zähler, aber wesentlich ist uns bei dieser Legende die höhere Bewertung der Gottesmutter Maria als des Gottessohnes durch den Verleugner und ebenso durch den Erzähler der Legende. Aus dem dreizehnten Jahrhundert verzeichnet Mussafia8) u. a. das Kap. 105—106 des VH. Buches des Speculum historiale des Vincentius Bellovacensis (gest. 1264), l) AASS. De St. Dominico, 4. Aug. ä) Mussafia a. a. O. I, S. 984. s) Mussafia a. a. O. I.

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