Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 56 (1912)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die Juden in der Marienlegende
- Date
- 1912-01-01
- Page
- 257 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Die laden in der I&rienlegende. Von Heinrich. Loewe. Als im Jahre 431 das Konzil zu Ephesus sich gegen Nestorius aussprach und die Eigenschaft der Maria als Gottesgebärerin (dso-roxos, lat.: Deipara) anerkannte, legte es damit den Grund zu jenem Marienkultus, der in der katholischen Kirche neben dem Christuskultus und mit ihm der herrschende wurde. Maria, die Mittlerin zwischen Gottheit und Menschheit, Werkzeug und Gehilfin der Erlösung, tritt unmittelbar neben den Mittler und Erlöser, den sie durch das Ohr wunderbar empfangen und wunderbar und schmerzlos geboren hatte. Sie steht an der Spitze aller Heiiigen mit fürbittender Hilfe und weit über ihnen. Ein weit größerer Kranz von Legenden und frommen Erzählungen ist um ihr hehres Haupt gewunden, als sie sogar von ihrem göttlichen Sohne erzählt werden. Aus dem Orient wandern sie durch die griechische Kirche zur lateinischen gen Westen und mit dieser nach dem mittleren und nördlichen Europa. Die orientalische Herkunft der Marienlegende verrät sich darin, daß die ursprünglich vom Orient erzählten Geschichten später im Abendlande lokalisiert werden, daß dieselben Wunder, die früher im Osten und dann im Westen geschahen, in ganz gleicher Weise später nach Norden und Nordosten wandern. Die vielen Züge, die der Gottesmutter in den Legenden von der lätar, der Göttermutter Kybele, der Rhea anhaften, deuten ebenfalls auf die Einwanderung der Legende aus dem Orient. In der Basilica Lucerna zu Konstantinopel ist ein wunderbares Marienbild, bei dem mit Eintritt des Sabbats zur Vesperzeit am Freitag der Monatsschrift, 56. Jahrgang. 17