Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 56 (1912)
- Issue
- Heft 2
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 254 (sequence 5)
- Language
- German
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254 Besprechung. vergötterten1) Almen Utnapi§tim (Er hat Leben gefunden), wie Ungnad schon in den Texten I, 46 Note 4 las. Der Genitiv napiStim spricht dagegen; der erste Bestandteil war gewiß ein Nonien. George Smith las daher Cit-napiätim (Sproß des Lebens), Hommel, was in Hinblick auf Noah besonders hübsch ist, Nuch-napiätim (Ruhe der Seele). Der Sintflutbericht2) ist nach Greßmann 208— 213 selbständige Lokalsage vom Untergänge der Stadt Sarippak und im 3. Jahrtausend v. Chr. in vielen Rezensionen* * * 8) umgelaufen, um dann auf besonderen, von Greßmann nachgewiesenen Wegen in’s Gilgameschepos ein zumünden. Die Sage wanderte über Syrien (Lukianos, De dea Syria cap. 12 f.) nach Kanaan (Greßmann S. 217) wohl noch im 2. Jahrtausend, wo sie ihre höchste Einheit und ethische Gedankenwürde in den beiden*) Varianten (P und J) der Genesis empfing, hat noch einen Nachklang babylonischen Götterglaubens: bei ihm nämlich cap. 8 v. 21 riecht Gott voller Behagen »den lieblichen Ge« ruch« des Ganzopfers, wozu zu vgl.: Gilgam. S. 58 v. 160—162 »Die Götter rochen dea angenehmen Duft, die Götter, wie Fliegen sammelten sie sich über dem Opfernden.« Gunkels und Greßmanns irdische Auslegung der Flutsage ist der Useners und Wellhausens bei weitem vorzuziehen, nach der sie zum Spiegel himmlischer Vorgänge gemacht wird. Der Mythos bat sich gewiß wie der primitive Mensch zunächst auf Erden umgesehen, ehe ihm die Wunder des Himmels aufgegangen, und diese pflegt er mehr nach ihrer irdischen Wirkung als mit den kalten Blicken des Astronomen anzuschauen. Ihm war der Himmel Erweiterung und Ergänzung der Erde, eine Tatsache, die von den Astralmythologen gerne übersehen wird. Weshalb Greßmann S. 225 die indische und griechische Flutsage von der semitischen losreißt, ist nicht ersichtlich. Abgesehen von anderen Ähnlichkeiten erinnert schon der Name des indischen Noah Manu Waiwaswata (Manu der Wissende) an den babylonischen Atramhasis (der Hoch« gescheite), den •Hfoou&pos des Berossos. Zu den Griechen mochte die Mär über die ionischen Kolonien Kleinasiens nach Thessalien ge- *) Er ist entrückt wie Adapa, Texte I, 34 f., Hcnoch und Elias. 2) assyr. abübu, personifiziert als Tihämat תה1ם, Cyklon, Sturmflut, Chaos. 8) Von Ungnad im Anhänge übersetzt, soweit sie uns bekanntsind. *) So über jeden Zweifel erhaben ist selbst hier das Ergebnis der Quellenscheidung keineswegs, vgl* schon Hommel, die aliisr. Überlieferung S. 12 f. undjetzt H, M. Wiener, essays inpentateuch al criticism, $e j8 ff W. Möllerj Wider den Bann drr Quellenscheidung, S. 4ך, Anm., vgl. S. SS. M. Br.