Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 56 (1912)
- Issue
- Heft 2
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 252 (sequence 3)
- Language
- German
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252 Besprechung. Höllenfahrt« und im Sintflutbericht weiblicher und edler erscheint, so lehrt doch die grelle Immoral und Irreligion der Aventüre das eine, daß zwischen dem Götteraberglauben Assurs und Babylons und dem Monotheismus der Juden eine abgrundtiefe Kluft gähnt, die selbst Delitzsch nicht entwicklungsgeschichtlich ausfüllen wird. Die Ausgrabungen, die wir vom jüdischen Standpunkte aus durchaus wünsehen und aufmerksam verfolgen, ändern am Kerne der Sache nichts. Von Zion geht nach wie vor die Lehre aus. Zion ist ebenso die Hochburg der orientalischen Geschichte, wie Athens Akropolis die des europäischen Altertums ist und in dieser Hinsicht das kriegerische Rom hoch überragt. Istar, von den Helden tätlich beleidigt, setzt es bei ihrem Vater Anu durch, daß er in Uruks Gefilde einen Himmelsstier entsendet. Das geschieht; aber die Helden erlegen ihn, und damit begibt sich das für jüdische Empfindung Unfaßbare, daß der Mensch ungestraft sich über seinen Gott erhebt. Wie anders und um wie viel glorreicher ringt und unterliegt demütig Hiob! Greßmanns Deutung des Himmelstiers1) S. 130 f. trifft das Rechte, wenngleich es nicht entschieden genug zum Ausdruck kommt. Er ist eine Mythisierung des Wildstiers, assyr. rimu, ראיס Hiob 39,9—10, Jes. 34,7, mit dem Gilgamesch selbst oft verglichen wird (z. B. S. 12, v. 189, S. 25 v. 42), eines in Assyrien beliebten Jagdwilds, das zum Symbol der Fruchtbarkeit diente, worauf Gilgam. 33 v. 111 unzweideutig weist, ganz wie die 7 mageren und fetten Kühe der Gen. 4L Greßmann sieht sich umsonst nach ägyptischen Parallelen um. Sie sind ihm sicher bekannt. Der Apiskult deutete auf das befruchtende Steigen und Sinken des Nils. In der Bibel Ex. 27,2 etc. ist auf die hornförmige Spitze der Altäre zu achten wie überhaupt auf den Sprachgebrauch von יגןךן das zuweilen geradezu als »Füllhorn« zu übersetzen wäre und besonders in Hannas Dankgebet 1. Sam. 2,1. Nach dem Siege über den Himmelsstier stirbt Engidu, von Gilgamesch stürmisch beklagt. Nnn steigt dieser selbst in den Orkus hinab, man denkt, um wie Istar in »Istars Höllenfahrt* oder Orpheus (Ovid, Met. lib. X) den geliebten Schatten dem Lichte zurückzu- 1; Zum Re£m vgl. Delitzsch, Babel u. Bibel II, 1904 S. 13. In den Texten II, 62—64, 75, 76-79 Stierbilder aus Ägypten, Kanaan und dem hellenistisch-römischen Mithrakult, in dem Mithras Kampf mit dem Stier, dessen Schweif in Ährenbündel ausläuft, die Befruchtung der Erde vorstellt. Das goldene Kalb ist bekannt. Bei den Griechen die Rinder des Helios und die ßotöm«; </HpY}, die kuhköpfig gedacht war.