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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1912-01-01 · Heft 2 · p. Seite 244

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
56 (1912)
Issue
Heft 2
Article
Ludwig Philippson
Date
1912-01-01
Page
Seite 244 (sequence 27)
Language
German
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244 Ludwig Philippson. häitnissen der Gesellschaft gehabt hat und noch hat. Das wird nicht auf dem Wege des plötzlichen Umsturzes, sonder allmählichen Entwicklung geschehen. Verdient diese Schrift die vollständigste Anerkennung, so kann ich nicht dasselbe von seiner Streitschrift »Gegen Dav. Fr. Strauß«1) sagen. Dessen Buch : »Der alte und der neue Glaube« erregte bekanntlich sofort nach seinem Erscheinen 1872 ungeheures Aufsehen und erlebte in einem Vierteljahre vier Auflagen. Sein Inhalt kann als bekannt vorausgesetzt werden. Philippson war einer der ersten, der dagegen auftrat. Wenn auch zunächst das Christentum angegriffen war, so richtete sie sich doch gegen jeden Gottesglauben, und es ist daher begreiflich, daß ein so überzeugter Bekenner des reinsten Gottesglaubens und begeisterter Vertreter des Judentums eine Abwehr unternahm. Aber so viel Richtiges und Treffendes sie von diesem Standpunkt aus enthält, ich halte sie für einen Schlag ins Wasser, und es wundert mich sehr, daß dies Philippson nicht selbst gesehen hat. Sagt er2) doch ganz treffend von dem Gegensatz, um den es sich handelt: »Es liegt ein zu weites Feld zwischen beiden, als daß sie sich zum Kampfe erreichen könnten; sie schauen von so verschiedenen Gesichtspunkten aus, daß ihr beiderseitiges Sehfeld niemals zusammenfällt; sie sprechen zwei verschiedene Sprachen, so daß sie sich und ihre Beweise gegeneinander gar nicht verstehen.« Es muß demnach ein Kampf zweier so kontradiktorischer Weltanschauungen, des Atheismus und des Theismus, mögen wir diesen auch »wahre Religion, wahre Gotteslehre, lautere Erkenntnis, aufrichtige Frömmigkeit« nennen, immer ergebnislos bleiben. Was Philippson Strauß und seinen Anhängern vorwirft, sie l) Gegen D. Fr. Strauß, der alte und der neue Glaube, Berl. 1873, Gerscbel, 51 S., wieder (aber nicht ganz wortgetreu) abgedruckt in den Ges. Abh. II, 177—212. *) S. 3. Ich führe nach dem Buche an.

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