Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 56 (1912)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Ludwig Philippson
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 242 (sequence 25)
- Language
- German
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242 Ludwig Pfailippson. umgab es sich mit nicht geringerem Formenwesen, stellte wie der Taimudismus eine bestimmte Auslegung des geschriebenen Wortes auf und verdammte jede andere als Ketzerei; es bildete sich die Kirche, ein Priesterstand, stellte sich endlich über den Staat, was dann furchtbare Kämpfe hervorrief. So notwendig also das (älteste) Christentum für die Einführung der religiösen Idee in die Menschheit war, so notwendig blieb der Fortbestand des Judentums. Des Christentums glücklicher Nebenbuhler im Orient ist der Islam. Sein Stifter ist eine völlig geschichtliche Person, seine Verbreitung ruht von Beginn an auf der Spitze des Schwertes, die Beschränkung auf das Morgenland auf dessen Charakter, der nur einer stoßweisen Entwicklung fähig ist. Obwohl eine freie Schöpfung von außen, ist doch der Islam ein Produkt des Judentums, zu dem er einen geringeren Gegensatz bildet als das Christentum. Seine Hauptlehre ist das Bekenntnis des einzigen, einigen, ewigen unsterbliehen Gottes, daher sein scharfer Gegensatz gegen die christlichen Dogmen, nicht gegen das Judentum. Ein zweiter Grundsatz ist der Glaube an das Prophetentum Muhammeds. Auch im Islam ist der ein Ungläubiger, der ihn nicht anerkennt; es entwickelt sich als Mitgift des arabischen Sabbäismus der Fatalismus, ferner der Glaube an den Teufel. Der Islam setzt die politische Herrschaft voraus, daher ist das Reich der Gläubigen sowohl Kirche als Staat. So blieb auch hier wieder das Judentum allein der Träger der ganzen religiösen Idee. Hiemit wäre eigentlich m. E. die Aufgabe der Vorlesungen erschöpft. Um aber die Fortexistenz der Idee im Judentum zeigen zu können, wird ein Blick auf die Juden in der Zerstreuung geworfen. Was die Juden erhielt, war ihr Gemeinde- und Familienleben. Nun wird der Talmudismus betrachtet. Kein Schriftwerk ist mehr beschuldigt worden und dabei unschuldiger an sich als der Talmud. Er gibt sich