Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 56 (1912)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Ludwig Philippson
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 238 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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238 Ludwig Philippson. Zeit überwunden worden ist, sonst wäre es mit untergegangen, aber auch zu bestimmten Beziehungen der Gegenwart, weil es sonst mit ihm zusammenfallen müßte; es muß daher bestehen, solange das Allgemeine nicht seinen Inhalt in sich aufgenommen hat. Drittens ist das Judentum an einen bestimmten Träger, den jüdischen Stamm, gebunden, von dem es mannigfaltige Einflüsse zu erleiden hatte. Es zerfällt in vier Epochen: Mosaismus, Prophetentum, Talmudismus und Judentum der Neuzeit. Der M o s a i s• mus ist seine Grundlage, d. h. die von ihm gelehrte Einheit der Lehre und des Lebens, der Prophetismus, der das Leben nicht mehr retten konnte, wollte die Idee retien, schweigt über das Gesetz, der Talmudismus schlägt die entgegengesetzte Richtung ein, er entwickelt das Gesetz als absolute Norm des Lebens bis in die äußerste Fortsetzung und kasuistische Konsequenz, hierin wird der Rabbinismus sein teilweiser Fortbildner; dem Judentum der Neuzeit fehlt noch ein bestimmter Charakter, es handelt sich darum, die festen Ideen des Mosaismus mit den Bedingungen des gegenwärtigen Lebens in Einklang zu bringen. Das Heidentum lehrte: die Welt ist und darum ist Gott, das Judentum : Gott ist, darum ist die Welt. Seine religiöse Idee ist: Gott ist das absolute Sein, die Welt ist sein Werk, er ist also außerweltlich, das absolute Sein und die Einheit, die Welt ist eine Einheit, alles in ihr übereinstimmend, notwendig, gut. Der Mosaismus setzt die Freiheit und Selbstbe- Stimmung der Menschen voraus; der Mensch ist nicht sündhaft (also keine Erbsünde), aber er kann sündhaft werden. Der Mosaismus betrachtet den Menschen als Einheit in allen Beziehungen, das ganze Leben ist die Religion, sie hat nicht bloß die Sittlichkeit, auch die Ge- Seilschaft, Tugend, Recht aus sich heraus geschaffen; er ist, an ein bestimmtes Volk und Land und Zeit gebunden,