Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 56 (1912)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Ludwig Philippson
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 237 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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Ludwig Philippson. 237 Schwester (Kayserling S. 9) und seine eigene harte Jugend verwendet wird und wohl auch in den »Briefen und Spaziergängen eines jüdischen Studenten«. Auch über »Jakob Tirado« (Sepphoris war mir nicht erreichbar), kann ich nicht günstiger urteilen. Der Held »dieses belletristischen Meisterwerkes« ist, wie Ben-Joseph in »Esterka«, ein Held nach dem Muster des Großherzogs in Sues »Geheimnissen von Paris« oder des Cethegus in Dahns »Kampf um Rom«. Er sieht alles, weiß alles, kann alles. Jakob Tirado ist keineswegs »den besten Erzeugnissen der neueren deutschen Literatur gleich«. Doch genug des Tadels, der manchem an dieser Stelle und bei dieser Gelegenheit übel angebracht scheinen dürfte, jedoch »amicus Plato, magis amica veritas«. Trotz alledem halte ich alle diese Erzählungen für eine passende Lektüre für das jüdische Volk und dessen Jugend, umsomehr als außer den Ghettogeschichten in dieser Beziehung wenig Geeignetes vorhanden ist. Die schriftstellerischen Verdienste Philippsons liegen auf einem ganz anderen Gebiete, dem der Religionswissenschaft und des politischen Kampfes. Für die bedeutendste der ersten Art halte ich, wie schon oben (S. 220) gesagt: die Entwickleung der religiösen Idee usw. Er selbst sagt von ihr: »Ich bin mir bewußt, einen neuen Weg eingeschlagen zu haben. Mein besonderes Ziel und Bestreben ist: die Religion von dem idealen Standpunkt, auf den sie gestellt worden, dahin zu versetzen, wohin sie gehört — ins Leben.« Sie soll gewissermaßen praktische Philosophie werden. Der Gedankengang ist folgender: Das Judentum besteht, will, wird bestehen; durch alle Zeiten ist bis jetzt nur eine geschichtliche Erscheinung geschritten, das Judentum, das den Menschen in allen seinen Beziehungen als Einheit begreift. Es muß ein Gegensatz sein zu allem, was von der