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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1912-01-01 · Heft 2 · p. Seite 236

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
56 (1912)
Issue
Heft 2
Article
Ludwig Philippson
Date
1912-01-01
Page
Seite 236 (sequence 19)
Language
German
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IRI
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236 Ludwig Philippson. schichte in der Auffassung des Künstlers, der im gegebenen Raume eine Reihe Gestalten scharf gezeichnet und färben he 11 vorüberführt, also daß im Leben und Ringen des Einzelnen zugleich der Inhalt des Zeitraumes sich wie zum Spiegelbild zusammenfaßt«1). Es sollen, wie auch ein anderer Meister der historischen Novellistik8) erklärt, >auf dem Grund der Gesittungszustände einer gegebenen Zeit freigeformte Charaktere in ihren Leidenschaften und Konflikten walten. Die Szene ist historisch. Es sind dann aber — erfundene Personen,, die in den Vordergrund treten, die mit feinem Pinsel ausgemalt werden sollen.« Von dieser Art sind denn auch der Ekkehard, die Novellen Riehls, Raabes, die Ahnen Freytags. Allein den im Großen richtig erkannten Forderungen der geschichtlichen Erzählung und dem guten Willen Philippsons entspricht die Ausführung wieder nicht.. Der feine Pinsel und die künstlerische Kraft fehlen und sie können durch alle Mannichfaltigkeit und allen Wortreichtum nicht ersetzt werden, obwohl die Sprache im allgemeinen flüssig genug ist. Die Zeitfarbe ist selten getroffen, die Personen schablonenhaft, Verhältnisse, Gedanken und Anschauungen des Erzählers werden auf Zeiten übertragen, denen sie nicht angemessen sind. Sie sind »durch Druckwerk und Röhren herausgepreßt, schießen nicht durch eigene Kraft in reichen, frischen, reinen Strahlen auf« (Lessing von sich in der Hamb. Dram.) Die einzelnen Erzählungen führen uns von Gosen, über die beginnende Königszeit, das Exil und das untergehende jüdische Staatswesen in das Mittelalter und die Zeit des despotischen Absolutismus bis in die Gegenwart, bald sehr abenteuerlich und unwahrscheinlich, bald mit den abgebrauchtesten Motiven. Autobiographisches ist verarbeitet in der Geschichte: »Das jüdische Herz«, in der die Krankheit seiner J) Scheffel in der Vorr. znm Ekkehard. a) W. H. Riehl, Vorr. za den Kultnrgesch. Novellen.

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