Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 56 (1912)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Ludwig Philippson
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 235 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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Ludwig Philippson. 235 Das ist gewiß nicht »von bestimmten Gesetzen der Sprachentfaltung und des Wohllautes beherrschte Form« (Vorw. zum 2. T. des Saron, 2. Ausg.). Das gilt in vollem Maße auch von den Dramen, auf die Philippson, wie viele, denen In dieser schwierigsten Form der Poesie der Lorbeer versagt ist, besondern Wert gelegt zu haben scheint. »Esterka« ein Trauerspiel in vier Akten, behandelt die bekannte Geschichte Kasimirs von Polen und der schönen Esther. Die Exposition ist zwar klar, doch fehlt jede Steigerung. Das wirklich Dramatische beschränkt sich auf die effektvollen, krassen Aktschlüsse. Die Charaktere, besonders der Ben-Josefs, sind wenig glaubhaft. Unmögliche Anachronismen stören allenthalben. Die Sprache ist trotz Kayserling durchaus nicht schön; falsche Bilder, hohles Pathos, Schwulst, anderseits große Nüchternheit, Unbehilflichkeit des Ausdrucks lassen die dichterische Kraft vermissen. Dasselbe ist der Fall in »jojachin« und den »Entthronten«. Hier gibt es nur sehr edle und sehr schurkische Personen. Daß die Dramen verfehlt sind, muß selbst Kayserling zugestehen. Am höchsten stelle ich das letzte, obwohl ihm nach Kayserling das tragische Moment fehlt. Ich finde es gerade in der allzugroßen, blinden Vertrauenseligkeit und unpolitischen Biederkeit Gedaljas, der jede Warnung zurückweist. Die überaus zahlreichen Erzählungen wollen das Leben jüdischer Personen der verschiedensten Zeiten, Lebenstellungen und Lagen darstellen. »Sie wollen zur Anschauung bringen, wie die Stammesgenossen gedacht und gefühlt, wie sie trotz aller Verfolgung und Demütigung durch die ihnen innewohnende Geistes- und Glaubenskraft über die Ungunst der Zeiten und Verhältnisse gesiegt und einen Kern echter Sittlichkeit, idealen Sinnes und Sirebens sich bewahrt haben«1). Es sollen demnach geschichtliche Erzählungen sein »ein Stück nationaler Ge- ג) Vorr. zum Noveilenbuch, Saron 2. Ausg. 6. Bd.