Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 56 (1912)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Ludwig Philippson
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 234 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2829132-2829843-2829846-2891289--39503-2891407- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
234 Ludwig Philippson. Oratorium, versuchte. Demgemäß haben seine dichterischen Arbeiten, so lebhaften Beifall sie ihrerzeit bei den jüdischen Lesern gefunden haben, keinen literarischen Wert. Allerdings auch der überwiegende Teil der nichtjüdischen beiletristischen Schriftsteller der Zeit steht nicht höher und ist ebenso vergessen. Für die deutsche Literaturgeschichte existiert, wenn man etwa von H. Kurz absieht, Philippson nicht. Non omnes possumus omnia. Ich muß mich auf das wichtigste beschränken. Was die lyrischen Gedichte betrifft, so hat sie eben nicht Horazens amabilis insania hervorgerufen, sondern wohl nur die Lust an Vers und Reim, die aber beide nicht mit Geschick gehandhabt werden, und dem Gedanken und Ausdruck sehr oft Gewalt antun. Wenige Beispiele mögen genügen, so gerade ein von Kayserling, S. 204, angeführtes »Muster eines kunstvollen Baues«: In der Stille der Nacht zieht Israel aus, Großes G e t ü m m e 1, Aber voran ziehet die Feuer- (!) Wolke vom Himmel, Der(?) sie zu bleiben gedrängt, drängt sie zu ziehen jetzt! *Weichet von dannen!« Aber es zieh'n Moscheh und Aron Ihnen vorannen (!!).« Ähnliches in den »Bildern aus dem Bodetale«. Auch in dem wohlgemeinten Lehrgedicht: »Das Ich« sind Verse häufig wie: jeglicher suchet, was nützet ihm selb s ten ... Kühn fährt der Schiffer durchs Meer, doch andre erfreut was er bringet in den Wirren Dein’ umgränzten Verlangens und dein’ umgränzten Vermögens ... Wahrlich dies bist du dir selbst, von dannen betrachtest du alles. —