Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 56 (1912)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Ludwig Philippson
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 232 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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232 Ludwig Philippson. Rabbinerversammlungen. Die Juden der Gegenwart wolle» sich in allen religiösen und Kultusfragen keinerlei Autorität unterwerfen, nicht einmal einer selbstgewählten. Von nun an beschränkte sich Philippsons Tätigkeit auf die Redaktion der Allgemeinen Zeitung des Judentums und auf die Beurteilung neuer hervorragender Erscheinungen; daneben gingen eine Anzahl biblischer Studien, bis ihn die neue antisemitische Bewegung wieder auf den Kampfplatz rief. Die Abwehr Ed.s v. Hartmann und des »Geschichtsschreibers« Treitschke bewiesen, daß die Waffen des alten Kämpen noch nicht verrostet waren.. Im Jahre 1877 waren es 50 Jahre geworden, seitdem seine erste Schrift erschienen war. Zahlreiche Körperschäften, darunter die vornehmsten Gemeinden Deutschlands und Österreichs, die Alliance Israelite Universelle, die Concordia in Wien, richteten Adressen an ihn, in denen seine Verdienste hervorgehoben wurden. Der deutsche Kaiser verlieh ihm den Kronenorden. Noch stärkeren Ausdruck fand die Würdigung seiner Leistungen bei der Feier seines 70. Geburtstages. Die Leipziger Gemeinde ernannte ihn zum Ehrenmitgliede, der deutsch-israelitische Gemeindebund, den er mit Wort und Tat stets unterstützt hatte, gab einer Stiftung seinen Namen, wie schon 1869 die Baltimorer Loge der Bnai-Brith den Namen Philippson- Loge angenommen hatte. Aber der arbeitsreiche Tag ging zur Rüste. Am 27. Dezember 1889, an einem Freitage, diktierte er seinen letzten Aufsatz: »Wer ist der Richter?« (Ges. Abh. S. 455 ff), in dem er die Weltgeschichte als diesen Richter über das Judentum und die Erfüllung seiner Sendüng durch mehr als 3 Jahrtausende erklärt/ Abends sprach er noch die rituellen Gebete und segnete nach guter, alter jüdischer Sitte seine Kinder. Nach dem Essen las ihm sein Sohn Martin, damals Professor der Geschichte an der Brüssler Universität, seine Abhandlung über Sizilien vor.