Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 56 (1912)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Ludwig Philippson
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 231 (sequence 14)
- Language
- German
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Ludwig Philippson. 231 eine Rabbinerversammlung nach Kassel ein. Hauptzweck war die einheitliche Regelung des ganz zerfahrenen öffentliehen Gottesdienstes. Geiger nahm teil nicht ohne vorher, und nicht mit Unrecht, die Anregung dazu für sich in Anspruch genommen zu haben. Es konnte, obwohl alle 24 Anwesenden reformfreundlich waren, keine Einigung erzielt werden; wieder zeigte sich die Nutzlosigkeit von Rabbinerversammlungen. Die Kassler Versammlung beschloß daher selbst, eine hauptsächlich aus Laien, aber auch aus Rabbinern und Gelehrten bestehende allgemeine, nicht bloß deutsche Synode. 1869 veröffentlichte die Kommission (Adler, Philippson, Aub) die Einladung nach Leipzig. Am 29. Juni trat die Synode zusammen; zum Vorsitzenden wurde Lazarus, zum Stellvertreter Geiger gewählt. Philippson begründete in längerer, mit dem lebhaftesten Beifall aufgenommener Rede seinen Antrag, zu erklären, daß die Prinzipien des Judentums, wie sie im Mosaismus und in der Lehre der Propheten enthalten sind, übereinstimmen mit den Grundsätzen der neueren Gesellschaft und des Rechtsstaates mit gegenseitiger Duldung und interkonfessioneller Achtung und daß es eine der wesentlichsten Aufgaben des Judentums sei, diese Grundsätze zu bekennen und mit allen Mitteln zu fördern. Diese Erklärung wurde auf Antrag des belgischen Oberrabbiners Astruc durch Akklamation angenommen. Seiner Ansicht aber, praktische Ergebnisse anzustreben, stand wieder die seines alten Gegners Geiger gegenüber, theoretische Beschlüsse zur Hauptsache zu machen. Es folgten Erklärungen, über den Religionsunterricht, über Reformen im Gottesdienst usw., alle auf dem Boden des gemäßigten Fortschrittes. Erfolg hatte nur die prinzipielle Erklärung Philippsons, die auch außerhalb der jüdischen Welt einen sehr günstigen Eindruck hervorbrachte; von den anderen Beschlüssen wurde keiner ausgeführt. Eine zweite Synode fand geringe Beteiligung; auch die Synoden teilten das Schicksal der