Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 56 (1912)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Ludwig Philippson
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 226 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2829132-2829843-2829846-2891289--39495-2891399- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
226 Ludwig Philippson. das Institut 2500, zuletzt gegen 4000 Mitglieder, obwohl es anfangs in Österreich angeblich als staatsgefährlich verboten war. An der Spitze standen mit Philippson Jost und Jellinek, später A. M. Goldschmidt in Leipzig und L. Herzfeld in Braunschweig. Während seines achtzehnjährigen Bestandes hat das Institut mehr als 80 Werke über jüdische Geschichte (darunter 7 umfangreiche Bände der Geschichte der Juden von Graetz), Archäologie, Religions- Wissenschaft und solche der schönen Literatur, von den bedeutendsten Schriftstellern wie D. Cassel, L. A. Frankl,. Jul. Fürst, A. Geiger, Philippson u. a. veröffentlicht. Ais es einging, geschah es nicht wegen mangelnder Teilnahme, sondern weil es an tüchtigen jüdischen Werken fehlte. Trotz seiner Selbstlosigkeit wurde der Gründer arg verdächtigt, des Eigennutzes und der Verfolgung von Sonderinteressen bezichtigt, Anwürfe, die aufs entschiedenste von Jellinek widerlegt wurden. Zu den Gegnern gehörte auch der immer an Philippson nörgelnde Geiger. Hatte dieser doch selbst, wie er am 11. Juni 1856 an Luzatto schrieb, Vorjahren eine wirklich literarische Gesellschaft gründen wollen. »Da kommt nun Philippson mit marktschreierischem Talente und gründet den Verein auf eigene Faust. Freilich leidet das Unternehmen an den Gebrechen, welche ein Stempel seines Urhebers sind, aber besser so als gar nicht. (Nun also!) Als in der ersten Zeit der hiesige Agent wegen meines Beitrittes zu mir kam, lehnte ich denselben ab mit dem Bemerken, die Sache sei mir zwar recht, ich ließe mir aber nicht gern etwas oktroyieren« (hinc illae lacrimae!). Später aber veranlaßte ihn jellinek doch, Mitglied zu werden und im Institut einige Schriften zu ־ veröffentlichen. »Warum,« schreibt er weiter, »sollte man nicht benützen, was einmal da ist und dahin wirken, daß gute (wohl seine eigenen?) Bücher hinauskommen können und das Publikum solche in die Hand bekommt, statt schlechter?«