Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 56 (1912)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Ludwig Philippson
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 223 (sequence 6)
- Language
- German
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Ludwig Philippson. 223 eine sorgenfreie Zukunft sichern sollte, und viele Gemeinden, Amtsgenossen und Freunde aus aller Herren Ländern sendeten Adressen und Zuschriften. Nur die Konkordatsregierung Österreichs verbot, infolge einer Denunziation, ausdrücklich jede Kundgebung. In Preußen war die Reaktion noch immer mächtig und als die Neuwahlen des Jahres 1856 die rückschrittliehe Mehrheit des Abgeordnetenhauses verstärkt hatten, hielt es H. Wagener, der Gründer der Kreuzzeitung, mit seinen Gesinnungsgenossen an der Zeit, den Antrag wieder einzubringen, den Dr. Klee 1852 im preußischen Herrenhause gestellt hatte, der aber abgelehnt worden war: den Zutritt zu den Kammern und den obrigkeitlichen Ämtern an die Zugehörigkeit zu einer der anerkannten christlichen Kirchen zu knüpfen. Der § 12 der Verfassung, der die politischen Rechte von dem Religionsbekenntnisse unabhängig erkläre, begründe den religionslosen Staat. Mochte dieser schöne Paragraph auch bloß auf dem Papiere stehen, die preußischen Juden konnten und wollten sich wenigstens diesen Schein nicht rauben lassen. An ihre Spitze trat natürlich der alte Vorkämpfer Philippson. An Wagener richtete er in Berliner Blättern die Aufforderung nachzuweisen, daß das Neue Testament, die Glaubensurkunde des Christentums, die Vernichtung der politischen Rechte der Juden fordere und als der Herausgeforderte nicht antwortete, eine zweite Erklärung, in der er selbst die Antwort gab: Auf dem Grunde des Neuen Testamentes ist der Staat des Abgeordneten Wagener kein christlicher, sondern ein unchristlicher, nicht religionsl o s, sondern religionsw i d r i g. Außerdem ließ er durch seine Gemeinde eine fest und mutig gehaltene Petition an das Abgeordnetenhaus richten und ermahnte die anderen Synagogengemeinden Preußens dem Beispiele zu folgen. Binnen 14 Tagen gelangten 300 Petitionen an das Haus. Zahlreiche Christen schlossen sich den Juden in diesem Geistes-