Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 56 (1912)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Ludwig Philippson
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 222 (sequence 5)
- Language
- German
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222 Ludwig Philippsoii. einer zweiten Ehe mit der jüngeren Schwester der Frau seines Bruders Julius, die, hoch gebildet, ihm bei seinem Schaffen, besonders in späteren Jahren, als sein Augenlicht geschwächt war, tätig zur Seite stand. Schaffen aber mußte er trotz aller körperlichen Hindernisse, trotzdem daß er häufig an hochgradigen Kopfschmerzen litt, teils weil ihm Arbeit Bedürfnis war, teils weil sie die Verhältnisse erforderten; denn seine amtliche und literarische Tätigkeit gewährten ihm gerade nur einen einfachen Lebensunterhalt. Seinem Amte als Prediger und (seit dem Tode M. Salomons 1839) als Rabbiner widmete er sich mit aller Pflichttreue. Er veranlaßte die Errichtung mehrerer Wohltätigkeitsvereine, die Reorganisation der Gemeinde und den Bau einer neuen Synagoge und in dieser eine »sorgfältig erwogene« neue gottesdienstliche Ordnung mit Orgeldienst und einigen deutschen Gebeten. Besonders gern erteilte er den Religionsunterricht, den er für eine der schönsten und wichtigsten Aufgaben des Rabbiners erklärte. Als Kanzelredner, zu deren ältesten und bedeutendsten er mit Kley, G. Salomon und Mannheimer gehört, war er berühmt. Seine Reden sind charakteristisch in Ausdruck und Redeschwung2). Sie fanden, unterstützt von seinem glücklichen Äußern und den für den Prediger notwendigen Mitteln, einem sonoren Organ und edlen Pathos, großen Beifall, wie schon seine erste, für ihn so entscheidende Trauungsrede in Osterburg. Oft wurde er daher auch auswärts zur Vornahme von Trauungen und Synagogeneinweihungen berufen. Die Verehrung und Liebe, die er sich durch dieses Wirken erworben, trat zutage, als er 1858 sein Amtsjubiiäum feierte. Der Vorstand der Gemeinde überreichte ihm eine Adresse, in der ihm als Anerkennung eine Gehaltserhöhung zugesichert wurde. Ein Komitee von zahlreichen-Verehrern außerhalb Magdebürgs bildete sich, um einen Fond zu sammeln, der ihm 2) Jost S. 163.