Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 56 (1912)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Ludwig Philippson
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 220 (sequence 3)
- Language
- German
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220 Ludwig Philippson. einem Predigtzyklus ausgeführt hatte, beschloß er eine Reihe öffentlicher Vorlesungen zu halten über »Geschichte, Inhalt, Stellung und Beruf des Judentums«. Sie wurden — die erste am 22. Dezember 1846 — von Zuhörern aller Bekenntnisse sehr stark besucht, die Zahl der Teilnehmer wuchs mit jeder und nach ihrer Beendigung wurde ihm von christlichen Zuhörern eine mit zahlreichen Unter- Schriften versehene Adresse überreicht. Die Vorlesungen wurden 1847 bei Baumgärtner in Leipzig (189 S.) unter dem Titel: »Die Entwickelung der religiösen Idee im Judentume, Christentume und Islam« gedruckt und erlebten 1874 eine 2. Auflage. Ich halte diese Schrift für die bedeutendste und gehaltreichste Philippsons. Sie enthält seine Anschauungen in einer geschlossenen, logischen Form; auf sie kommt er ausgesprochen oder unausgesprochen immer wieder zurück, ja seine ganze Stellung in den geistigen Bewegungen des Judentums und auf den Rabbinerversammlungen stützt sich auf diese Ansichten, die offenbar schon sehr früh geistig von ihm durchgearbeitet waren. Diese Wichtigkeit wird es rechtfertigen, wenn ich ihren Gedankengang unten ausführlicher wiedergebe. Die Vorlesungen fanden auch im Auslande große Anerkennung1), wurden ins Französische und Englische übersetzt, von Männern wie Jules Simon und E. Laboulaye und in den bedeutendsten Zeitschriften eingehend und sehr günstig besprochen. Die Gedanken und Folgerungen wurden von Philippson noch in der »Allgemeinen Zeitung« in zahlreichen Artikeln des Näheren ausgeführt und nachträglich in 2 Bänden veröffentlicht (1868). Sie *) Es ist bezeichnend, daß das der Wiener Universitätsbibliothek gehörende Exemplar, das ich benutzte, aus dem Nachlasse des hochwürdigen infulierten Prälaten und Domkantors von St. Stefan,, Dr. J. Schreiner, stammt. Die zahlreichen Randbemerkungen desgeistliehen Herrn zeugen von dem Interesse des Lesers.