Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1912-01-01 · Heft 2 · p. Seite 219

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
56 (1912)
Issue
Heft 2
Article
Ludwig Philippson
Date
1912-01-01
Page
Seite 219 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2829132-2829843-2829846-2891289--39488-2891392
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Ludwig Philippson. 219 grundsätzlich an der unverbrüchlichen Weihe und Würde des Sabbats festhielt. Philippson verharrte im Widerstand, und enthielt sich fortan meist der Abstimmung. Es war aber besonders durch diese Beschlüsse in die Rabbiner- Versammlungen der Keim der Selbstauflösung gelegt; sie wurden allgemein mißbilligt und die Versammlung verlor durch ihre wenig feste Haltung in dieser Frage bedeutend an der bisherigen Teilnahme der Außenstehenden. Die anderen Beschlüsse: Abschaffung der 2. Feiertage mit Ausnahme des Rosch ha-Schanah, sichernde und mildernde Vorschriften über die Beschneidung, Milderung der Trauergebrauche waren minder wichtig. Eine 4. Versammlung, die in Mannheim stattfinden sollte, wurde zwar beschlossen, allein die Ränke der badischen Orthodoxen, die politische Erregung jener Tage, welche die religiösen Fragen in den Hintergrund drängte, endlich wohl zumeist die Erkenntnis der Fruchtlosigkeit, ja Schädlichkeit der Zusammenkünfte bewirkten, daß die Einrichtung fallen gelassen wurde. Das erkannte am besten der scharfblickende, einflußreiche Philippson; er zog sich ganz zurück, und damit war sie begraben. Der Versuch einer Einigung auf einem Gebiete, wo moderne Ideen, wie in jeder positiven Religion, eine Einigung nicht zulassen, war gescheitert und hatte nur neuen Streit veranlaßt. Jeder Rabbiner, jede Gemeinde ging nach wie vor ihrer eigenen Wege, aber jedenfalls haben in der Folge die Ansichten Frankels und Philippsons, die der gemäßigten, geschichtlich begründeten Reform, tatsächlich gesiegt. In seinem Bestreben, das Judentum und seinen Inhalt, seine politischen und sozialen Grundsätze und Einrichtungen den Zeitgenossen näher zu bringen, zu zeigen, daß die Forderungen der Zeit schon im Mosaismus ausgesprochen und vielfach verwirklicht seien, Ideen, welche zuerst der französische Jude J. Salvador ausgesprochen und Philippson selbst bereits in seiner Zeitung und in

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.