Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 56 (1912)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Aus der Bibelexegese Joseph Ibn Kaspis
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 210 (sequence 12)
- Language
- German
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210 Aus der Bibelexegese Joseph Ibn Kaspis. Ein angesehener Bischof hätte ihn gefragt, warum diejuden die Könige, Päpste und Bischöfe mit den Thorarollen huidigend begrüßen, sowie die Christen es mit den Kreuzen tun. Haben wir Christen den Pentateuch und die anderen biblisehen Schriften ja auch in unserer Sprache, und wenn unsere Könige und Großen es wünschten, daß man ihnen mit den heiligen Büchern entgegenziehe, könnten wir es mit den unsrigen tun. Welchen Vorrang besitzt denn der hebräische Text der Bibel vor dem lateinischen? Ibn Kaspi weist in seiner Antwort darauf hin, daß, was speziell den Pentateuch betrifft, Schrift und Sprache des hebräischen Textes die heilige Urkunde so enthalte, wie sie von Gott gegeben worden. Wenn wir eine Urkunde zur Bestätigung irgend eines Privilegiums vom Könige erhalten, so ist das Original derselben mit dem königlichen »Vidimus« mehr wert als eine Übersetzung der Urkunde. Ferner kann eine Übersetzung das Original nie vollständig wiedergeben. Eine Übersetzung kann nie die Schönheit und die Heiligkeit, die den biblischen Büchern im hebräischen Originale innewohnen, erreichen. Als Beispiel der Incongruenz zwischen Original und Übersetzung zitiert dann Ibn Kaspi den ersten Vers der Bibel aus der Vulgata: In principio creavit Deus coelum et terram. Er zeigt, daß lat. principium keineswegs den tiefem Sinn, die das hebr. ראשית hat, wiedergebe und daß Deus zur Übersetzung der verschiedenen Gottesnamen der hebräischen Bibel dienen muß. Auch sonst macht Ibn Kaspi in seinen Schriften die lateinische Bibelübersetzung der Christen zum Gegenstände der Kritik. Die soeben erwähnte Bemerkung über Deus führt er im Pentateuchkommentar1) des nähern aus: אלהים, ein Appellativum, wird mit dem Nomen proprium Deus, dasTetragrammaton, ein Nomen proprium, mit dem Appellativum Dominus übersetzt8). Doch lobt er bei dieser l) MK. II, 16 (zu Gen. 2, 5). יבי אלהים שהוא שם משותף העתיקו דיאוש שהוא שם מיוחד... והפך (2