Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 56 (1912)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Die Ethik R. Saadjas
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 197 (sequence 17)
- Language
- German
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Die Ethik R. Saadjas. 197 außer den Folgen der Handlung selbst weiter kerne Yergeltung des Guten und Bösen. Saadja behauptet nämlich »daß es eine Ungerechtigkeit wäre, wollte Gott das Gute belohnen und das Böse bestrafen, wenn er es nicht befohlen hätte«. »Der Fromme hätte, für seine Handlungen, wäre ihm das Gute nicht befohlen worden, durchaus keinen Lohn zu erwarten«1). Nimmt die Ethik nun die Religionsgesetze in sich auf, so gewinnt sie auch nach der Seite hin, daß ihre Forderungen strenger befolgt werden, andererseits bleibt sie aber wieder der Gefahr ausgesetzt, daß ihr eigenes Motiv durch die fremden Motive der Belohnung und Bestrafung verdrängt wird und sie dadurch selbst veräußerlicht wird. Diese Gefahr erweist sich aber bei näherer Betrachtung als vollkommen nichtig, denn gerade die Religion verlangt eine Übereinstimmung zwischen Tat und Gesinnung. Ein legales Handeln ohne die entsprechende innere Zu- Stimmung wird von den Religionsgesetzen geradezu als Heuchelei gebrandmarkt8). In der Religion kommt allerdings die Idee der Vergeltung als wichtiges Moment zu den schon vorhandenen Motiven hinzu. Aber die Vorstellung von Belohnung und Bestrafung ist selbst kein Motiv beim Zustandekommen der Verpflichtung, sie dient nur, wie Saadja wiederholentlich betont, zur Verstärkung der rein ethischen Motive®). Der Mensch erlangt nun die Gewißheit, daß die Tat nicht mehr auf ihre natürlichen Folgen für uns beschränkt bleibt. Gott, der über die genaue Beobachtung des Gesetzes wacht, registriert gewissermaßen jede Hand- *) Emunot IV, S. 79. An einer anderen Stelle heißt es: »Alles Oute, das Gott uns zu erteilt, gibt er als Löhn für den Gehorsam und alles Angenehme als Entgelt für unser Widerstreben«. IH, S. 67, 73 u. a. m. Eine sittliche Vergeltung in unserem Sinne erkennt Saadja nicht an. Nicht weil etwas gut ist, wird es belohnt, sondern weil es von Gott befohlen ist. Die sittliche Handlung wird immer nur als. Dienstleistung angesehen. ־i Das. V, S. 89: או שידדד, בספק באמונתו. s) Das.. IX, S. 138;111, S. 65.