Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 56 (1912)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Die Ethik R. Saadjas
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 196 (sequence 16)
- Language
- German
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196 Die Ethik R. Saädjas. innere Entschließung des Handelnden ausübt. Er hat ein rein innerliches Interesse an der Handlung, sei es nun weil sie nützlich ist, oder weil sie ihm um ihrer selbstwillen gut und wertvoll erscheint. Niemals kann der Mensch in der Ethik Saadjas etwas ohne die vollste innere Zustimmung tun; es muß naturgemäß immer eine Obereinstirnmung zwischen der Tat und der inneren Gesinnüng herrschen, weil die Tat durch nichts anderes verursacht wird als durch das Gefallen an ihr. Es giebt kein anderes Motiv für das sittliche Händeln als die Erkenntnis von der Natur des Guten und Bösen. Und der Mensch selbst wird nur durch dieses eine Motiv, das bei Saadja aber, wie wir Wissen, kein einheitliches ist, zum sittlichen Handeln bestimmt. Jede Handlung bleibt auf ihre natürlichen Folgen beschränkt und außer diesen Folgen hat er nichts weiter zu fürchten, aber auch weiter nichts zu erhoffen. Diesen Standpunkt hält Saadja selbst bei der ethischen Betrachtung der Religionsgesetze fest. »Wenn wir gegen Gott sündigen und ihm nicht geben, was wir Ihm schuldig sind, so handeln wir töricht; denn wir sündigen gegen uns selbst, weil Gott nur dasjenige verboten hat, was uns schädlich ist. Dasselbe ist der Fall, wenn wir einer gegen den andern sündigen, wir richten dann nur uns und unser Vermögen zugrunde«1). Ganz anders aber wird das Verhältnis von Gesinnung und Tat bei den Religionsgesetzen, wenn sie im Lichte der Religion betrachtet werden. Gott befiehlt ein Gesetz und setzt zugleich auf dessen Befolgung eine Belohnung und auf die Übertretung eine Strafe. Hier kann nun der Fall eintreten, daß jemand das Gebot beobachtet, obwohl er einen Widerwillen dagegen empfindet, bloß um der Belohnung wegen oder aus Furcht vor Strafe. Es wirken dann bei dem Zustandekommen der Handlung rein äußerliche Motive, während dies in der Ethik vollständig ausgeschlossen ist. Denn in der Ethik gibt es ') Emunot IV, S. 79 oben.