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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1912-01-01 · Heft 2 · p. Seite 188

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
56 (1912)
Issue
Heft 2
Article
Die Ethik R. Saadjas
Date
1912-01-01
Page
Seite 188 (sequence 8)
Language
German
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188 Die Ethik R. Saadjas. unterordnet1), so hält er sie andererseits für die praktische Durchführung und Anwendung ihrer Prinzipien im gewöhnliehen Leben nicht für ausreichend. Denn, wenn die Vernunft uns zur Dankbarkeit verpflichtet, so müssen wir doch wissen, wie oder wann sich diese Dankbarkeit zu äußern habe. Die Vernunft verbietet uns andererseits Ehebruch und Raub. Diese und ähnliche Verbote sind aber viel zu allgemein gehalten. Denn man muß doch zunächst wissen, wann und unter welchen Bedingungen die Vereinigung von Mann und Frau als Ehe zu bezeichnen ist, oder wann nicht. Die Vernunft sagt uns nichts darüber, wenn eine Frau als Ehefrau zu betrachten ist, sie sagt uns nicht, von welchen Bräuchen und Zeremonien die Gültigkeit einer Eheschließung abhängig ist. Ebenso wenig können wir durch unsere Vernunft erfahren, wann und wie Jemand eine Sache so erwirbt, daß sie als dessen Eigentum gelten muß. Denn die Möglichkeiten des Erwerbens sind sehr verschieden. Aus reiner Vernunfterkenntnis können wir nicht wissen, ob wir das, was wir durch Arbeit, Handel, Erbschaft oder gar durch Jagd und Fischfang uns aneignen, auch wirklich als unser Eigentum betrachten dürfen. Es bleibt außerdem ungewiß, unter welchen Formalitäten ein Kauf gültig wird. In der gleichen Ungewißheit läßt uns die Vernunft, welche ja eine 1) ibid. S. 67: Die Thora kann nur das befehlen, wogegen die Vernunft nichts einzuwenden hat: וכן באה התורה במד, שהוא מותר בשכל. Eiii Wunder, von einem Propheten vollführt, gilt Saadja immer als Zeichen für dessen göttliche Sendung und Glaubwürdigkeit, III, S. 58, will uns ein Prophet aber etwas anbefehlen, was die Vernunft verwirft, so glauben wir ihm nicht trotz des Wunders; denn ein Wunder kann, was der Vernunft zu glauben unmöglich ist, nicht bestätigen, in, s. 68: ואם יאמר אלהי יצוד. אתכם בנאוף ולגנוב.,. לא נבקש ממנו אות מפני שקראנו למה שלא יכשירהו השכל. Die Offenbarung kann auch sonst nie etwas hefehlen, was die Kräfte des Menschen übersteigt, ihre Forderungen sind so gehalten, daß der Mensch sie zu allen Zeiten erfüllen kann, in, s. 67: כי האדם מפני שלא היה ביכלתו שיצום בכל יום יי.. לא היה נכון שיצודו הבורא בזה, והתורה יתכן לאדם שיעשנה בכל דור.

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