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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1912-01-01 · Heft 2 · p. Seite 184

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
56 (1912)
Issue
Heft 2
Article
Die Ethik R. Saadjas
Date
1912-01-01
Page
Seite 184 (sequence 4)
Language
German
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184 Die Ethik R. Saadjas. vier verschiedenen Prinzipien her, denen aber nur zwei Motive zu Grunde liegen, nämlich die absolute und die relative Wertschätzung. »Erstens macht die Vernunft es dem Menschen zur Pflicht, sich für empfangene Wohltaten erkenntlich zu erweisen, entweder durch Gegenleistungen, wenn der Wohltäter deren bedarf, oder, wo dies nicht der der Fall ist, dadurch, daß er seinem Wohltäter gegenüber dem Gefühl der Dankbarkeit Ausdruck verleiht.« Aus diesem Prinzip leitet Saadja die Verbindlichkeit aller derjenigen Gebote ab, die dem Menschen die Erkenntnis und die Anbetung Gottes, die Demütigung vor Gott und die Dankbarkeit zur Pflicht machen1). Zweitens lehrt uns die Vernunft, daß ein Weiser2) seinen Untergebenen nicht gestatten werde, ihn zu beschimpfen oder zu verfluchen; demgemäß muß auch Gott, obschon ihm selber keinerlei Schaden daraus erwachsen würde, ein solches Verhalten seinen Dienern untersagen. Darauf gründen sich die Verbote: Gott einen Genossen beizulegen, in seinem Namen falsch zu schwören und ihm unangemessene Eigenschaften zuzuschreiben. Drittens sieht die Vernunft die Notwendigkeit ein, die Geschöpfe davon zurückzuhalten, daß sie einander auf irgend welche Weise Unrecht tun. Aus diesem Prinzip leitet Saadja die rein ethischen Gebote und Verbote ab: die Gebote der Wahrheit und Gerechtigkeit und das Gebot der Nächstenliebe, ferner die Verbote des Mordes, des Ehebruchs und des Diebstahls. Als viertes Prinzip stellt Saadja den Satz auf, »daß die Vernunft es nicht für unzulässig halten kann, daß der Weise jemand mit einer Arbeit belästigt und ihm dafür einen Lohn gibt, wenn der Arbeitgeber den Arbeiter nur zu einem Nutzen verhelfen will, der für den Arbeiter selbst wohl einen Vorteil, für den Arbeitgeber aber gar keinen Schaden enthält.« In diesen vier Prinzipien sind alle Gebote Gottes enthal- J) Emunot III, S. 58—61. 2) Siehe Jahrg. 1911, S. 715 und Anm. 4.

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