Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 56 (1912)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Die Ethik R. Saadjas
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 182 (sequence 2)
- Language
- German
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182 Die Ethik R. Saadjas. was er durch seine Propheten geboten und verboten׳ hat. Der Mensch ist deshalb an diese Gebote und Verbote gebunden1). Von einer »Selbstleitung« durch die eigene Vernunft kann naturgemäß hiebei nicht die Rede sein. Dem Menschen bleibt nur die Wahl, vorausgesetzt, daß diese ihm vom Schöpfer gelassen ist, sich dem Befehle seines göttlichen Gebieters zu unterwerfen oder sich gegen denselben aufzulehnen. Die Art des menschliehen Verhaltens zum göttlichen Willen macht Saadja im fünften Abschnitt zur Grundlage seiner religiösen Tugendlehre. Allein die Glaubens- und Zeitgenossen eines Chiwwi al Balchi2 * * * * *) huldigten oft einem bis zum Unglauben gehenden Rationalismus und erkannten nichts an, als die Autorität der Vernunft. Saadja mußte daher den Nachweis führen, daß die Offenbarung mit ihren Geboten und Vor- Schriften nur dasjenige fordert, was die Vernunft selbst uns zu tun verpflichtet oder was ihr keineswegs widerspricht. Die Offenbarung gilt ihm zwar, wie wir wissen8), als Erkenntnisquelle und folglich ist auch Alles, was diese lehrt, wahr; es ist also auch wahr, daß ihre Vorschriften göttliche Befehle sind. Daß aber die vorgeschriebenen Gebote schon deshalb, weil Gott sie befohlen habe, gut seien, behauptet er selbst durchaus nicht. Das Sittliche hat nach seiner Überzeugung seine eigene Autorität zunächst in der menschlichen Vernunft, und er will mit jemandem, der da behauptet, daß wir die Erkennt- 1j Emunot das.: ... ,•הודיענו ... בדברי נביאיו שיש לו עלינו תורד ובד מצוות... אנחנו חייבים לשמרם ולעשותם בלב שלם. a) Chiwwi al Balchi, ein Zeitgenosse und Gegner Saadjas hatte die Bibel einer zersetzenden Kritik unterzogen. Seine Lehren drangen bis in die untersten Schichten des Volkes und wurden sogar dem Jugendunterricht in den öffentlichen Schulen zu Grunde gelegt, vgl. Guttmann, Die Bibelkritik d. Ch. a. B. in Frankel-Graetz, Monatsschrift 1879. S. 260■—270 [und jetzt siehe Poznanskis Abhandlung über ihn in, der Zeitschrift Hagoren VII (1908), die auch als S. A. erschienen ist]. *) Siehe Jahrg. 1911. S. 621.