Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 56 (1912)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Die Ethik R. Saadjas
- Date
- 1912-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Die Ethik R. Saadjas. Von David Rau s. A. (Fortsetzung.) 3. Das Verhältnis der Religion zur Ethik. Während Saadja den Menschen in der Ethik des zehnten Abschnitts als ein Wesen betrachtet, das sich in seinem Tun und Lassen von der eigenen Vernunft leiten lassen soll, stellt er ihn im dritten bis fünften Abschnitt in ein Abhängigkeitsverhältnis zu Gott, der als weiser, liebevoller und gerechter Gebieter über den Menschen als sein Geschöpf und seinen Diener verfügt. Saadja bezeichnet daher das Verhältnis des Menschen zu Gott, das man heute meistens Religion nennt, als »Dienstverhältnis«1). Da aber die Erschaffung des Menschen nur ein Akt der göttlichen Liebe und Gnade war, so entspringen für den Menschen aus diesem Dienstverhältnis nur Pflichten, aber eigentlich keine Rechte, auch kein Anspruch auf Entgelt für die zu leistenden Dienste. Saadja bezeichnet es deshalb als einen ferneren Akt der göttlichen Liebe, daß Gott den ihm schuldigen Dienst nur ein Mittel sein läßt, wodurch der Mensch zur vollendeten Glückseligkeit und zum hochsten Gut gelangen könne2). Gott verlangt nun vom Menschen die strenge Befolgung und Ausübung dessen, ’) Emunot I, S. 38, wo dieses Dienstverhältnis sogar als der eigentliche Zweck der ganzen Schöpfung angeführt wird: במה שמנהיגים בו ויעבדוהו, das. III, s. 58: ... שיש לו עלינו תורה נעבדהו בה ... אבל התחייב לצוות ברואיו בעבודתו.... Vgl. III, s. 74; IV, S. 75; 79; V, s. 157 u. v. a. s) das. III, S. 58: ותחלת הטבתו לברואים שחננם ההויה ... ואחר כן הננס סבה שמגיעים בה אל ההצלחה הגמו־רה והטובה השלמה.