Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 56 (1912)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Die Wortführer des Judentums in den ältesten Kontroversen zwischen Juden und Christen
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 178 (sequence 15)
- Language
- German
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178 Die Wortführer des Judentums in den ältesten gegen Jesus. Die Minim werden nie mit Jesus zusammen genannt. Auffällig ist ferner, daß wir bis in die Zeit Gamaliels II. von keiner Disputation zwischen den Juden und Christen hören, obwohl die Tradition von verschiedenen Diskussionen mit Heiden zu berichten weiß.« Nun bewegen sich die aus den beiden ersten Jahrhunderten uns noch erhaltenen Kontroversen zwischen Juden und Christen fast ausschließlich um die Person Jesu und um die Christologie; im Talmud aber ist in den Streitigkeiten zwischen den Rabbinen und den Minim eingestandenermaßen niemals von diesen Dingen die Rede! Niemals von einer Polemik gegen Jesus! Man findet dies allerdings auffällig, auffällig ferner, daß man im ganzen ersten Jahrhundert von keiner Diskussion zwischen Juden und Christen hört; und dennoch sollen die Minim des Talmud *ein Bild von der Stellung bieten, welche die Rabbinen zu dem Christentum eingenommen haben U Wo in aller Welt steckt denn eigentlich das Christentum in den religiösen Diskussionen zwischen den Rabbinen und den Minim? Etwa in der Verwerfung des Auferstehungsglaubens seitens der Minim, womit diese ein Kardinaldogma des Christentums leugneten? Oder in ihrer Leugnung der göttlichen Inspiration des Gesetzes, die doch die strittigen Punkte zwischen den Rabbinen und den Minim bildeten und um derentwillen sie aus der Synagoge hinausgeflucht wurden? Wie wenig übrigens die Rabbinen noch des dritten Jahrhunderts geneigt waren, »äußerst schroff den Jesusgläubigen gegenüber aufzutreten,« mit ihnen überhaupt sich, wie der Jude bei Celsus, in eine aggressive Polemik einzulassen, zeigt uns schon Origenes selbst deutlich genug. Die Rabbinen sind bei ihm nie die Angreifer, niemals auch nur die Anreger religiöser Disputationen, sondern stets die Aufgesuchten und in dieselben Hineingezogenen, Dieselbe Erscheinung beobachten wir in den talmudischen Kontroversen mit den Minim. Auch hier sind die letzteren die Angreifer und