Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 56 (1912)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Die Wortführer des Judentums in den ältesten Kontroversen zwischen Juden und Christen
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 177 (sequence 14)
- Language
- German
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Kontroversen zwischen Jaden und Christen. 177 haben übrigens gesehen, daß schon Tryphon von Jesus und seiner Lebenstätigkeit nichts anderes weiß, als was er in der evangelischen Überlieferung gelesen und daß er, was Schimpfliches von den Christen allgemein erzählt wird, nicht glauben will. Und dennoch will man im Talmud eine feindselige Haltung des Judentums gegen Jesus und das entstehende Christentum entdeckt haben. Und auf Grund welcher Tatsachen? Natürlich müssen da immer wieder die im Talmud unter dem Namen »Minim« bekämpften und aus der Synagoge gewiesenen jüdischen Häretiker, welche nachweisbar schon aus vorchristlicher Zeit stammen, herhalten. Diese werden ganz willkürlich zu Christen gemacht. Hier, anstatt ungezählter, ein klassisches Beispiel allerneuester Darstellung des Verhältnisses zwischen Judentum und Urchristentum. In der jüngsthin erschienenen Schrift: »Das Judentum im ersten und zweiten Jahrhundert« von G. Hönicke werden zum Schlüsse jene talmudischen Texte zusammengestellt, »in denen bei der Erwähnung der ,Minim‘ auf das Christentum Bezug genommen wird,« und an diese Quellen wird folgende widerspruchsvolle Bemerkung geknüpft: »Es sind verhältnismäßig nicht viele Texte, aber sie bieten uns doch ein Bild der Stellung, welche die Rabbinen zudem Christentum eingenommen haben. Wir sehen: einerseits standen Juden und Christen in engem Verkehr; andererseits herrschte große Feindschaft. Man trat auf jüdischer Seite äußerst schroff den Jesusgläubigen gegenüber. Auffällig ist, daß in den Streitigkeiten zwischen Juden und Christen nie die Christologie behandelt wird. Es findet sich nirgends eine Polemik vollster Sicherheit, daß Panthera nicht eine jüdische Spotterfindung, sondern ein weitverbreiteter antiker Name ist.« Monatsschrift, 56. Jahrgang. 12