Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1912-01-01 · Heft 2 · p. Seite 172

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
56 (1912)
Issue
Heft 2
Article
Die Wortführer des Judentums in den ältesten Kontroversen zwischen Juden und Christen
Date
1912-01-01
Page
Seite 172 (sequence 9)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2829132-2829843-2829846-2891286--39438-2891345
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

172 Die. Wortführer des Judentums in den ältesten von der Sonne, die sich am Himmel befinde, sich nicht trennen lasse, weil ja bei ihrem Untergang auch das Licht entwiche. Also mache auch der Vater nach Belieben seine Kraft von sich ausströmen und ziehe sie wieder in sich zurück. Auf diese Art mache er auch Engel.«1) Das sind, wie man deutlich sieht, noch unverfälscht jüdische Hellenisten. Der Logos ist ihnen lediglich eine Funktion Gottes, noch eins mit ihm und untrennbar von ihm. Diese hellenistischen Juden, deren ausschließlich zum Schutze der Einheit Gottes aufgerichtete Logoslehre der jüdisch ״ hellenistische Bearbeiter des vierten Evangeliums auf christlichen Boden verpflanzt hat, standen in entschiedenster, und da sie schriftkundig und philosophisch geschult waren, in schwer zu bewältigender Opposition gegen die Lehre von der Inkarnation des Logos, die ihren so peinlich gehüteten Monotheismus zerstörte. Und dieses hellenistische Judentum kennt Celsus noch. Aus ihm holt er sich seinen Kampfgenossen, der zwar schon einen arg vergröberten, ins Epikureische hinübergeratenen Typus darstellt, der aber noch immer soviel jüdisch-hellenistisches Empfinden besitzt, um christliche 1)Just. Dial. C. 128. — Diese jüdischen Hellenisten, die Justin mit heißem Bemühen zu widerlegen sucht, müssen dem jungen, gnostisierenden Christentum ungemein schwierig gewesen sein, da sie streng darüber wachten, daß der Monotheismus, den sie philosophisch konstruiert hatten, nicht getrübt werde. Justin selber macht kein Hehl daraus, daß ihm viel daran gelegen, ihnen nachzuweisen, daß der Sohn, obgleich dem Wesen nach eins mit dem Vater, dennoch der Person nach von ihm verschieden sei. Dies zu beweisen, wird er nicht müde, Schriftstellen aufzuhäufen und sich über Gebühr zu wiederholen, so daß er sich schließlich gedrängt fühlt, seine Weitschweifigkeit zu rechtfertigen. »Glaubt nicht,« so entschuldigt er sich bei Tryphon und seinen Genossen, »glaubt nicht, daß ich bloß um zu schwatzen, dies so oft wiederhole, sondern weil ich weiß, daß manche aus diesen Stellen beweisen wollen, die Kraft des Vaters sei unteilbar und untrennbar von ihm.«

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.