Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 56 (1912)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Die Wortführer des Judentums in den ältesten Kontroversen zwischen Juden und Christen
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 168 (sequence 5)
- Language
- German
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168 Die Wortführer des Judentums in den ältesten erblickt. — Er hat es glücklich herausgefunden, daß Jesus selber den Wunderwirkungen keinerlei Bedeutung beigemessen, daß er ׳ in ihnen kein Zeichen göttlicher Kraftleistung gesehen. Und welche Lehre zieht er aus dieser fruchtbaren Erkenntnis? Etwa die, daß die Fülle der Gesichte, von der die evangelische Darstellung zu berichten weiß, lediglich dem Überschwang begeisterter Phantasie unmittelbarer und mehr noch mittelbarer Jünger des Meisters und nicht diesem selbst zuzuschreiben seien, und daß man sich, um diesen nach Gebühr würdigen zu können, ausschließlich mit dem Wesen seiner Lehre beschäftigen müsse? Durchaus nicht. Diese Erkenntnis liefert ihm vielmehr neue Waffen, um die Grundpfeiler des Volksglaubens zu zertrümmern. Anknüpfend an diese bedeutsame Erklärung Jesu, bricht er in die Worte aus: »O Licht! 0 Macht der Wahrheit! Er selber erinnert uns, wie eure eigenen Bücher mit klaren Worten bezeugen, daß in künftigen Zeiten Andere die gleichen Wunder verrichten und dennoch nichts als Betrüger und Verführer sein werden. Er gedenkt sogar eines gewissen Satans, als eines großen Meisters in solchen Dingen. Heißt dies nicht unumwunden zugestehen, daß dergleichen Wunder nicht einer göttlichen Macht sondern der List boshafter Menschen zugeschrieben werden müssen? Indem er andern Betrügern die Maske vom Gesicht reißt, wird er durch die Macht der Wahrheit gezwungen, sich selbst zu beschuldigen und anzuklagen. Wie ungereimt und jämmerlich geht ihr also vor, wenn ihr seine Gottheit aus seinen Wundern beweisen wollt, und diejenigen hinwiederum, die durch ähnliche Werke berühmt geworden sind, als boshafte Betrüger ausschreit. Warum sollen diese verdammt, Jesus aber verehrt werden, da sie doch einander an Taten gleichen und Jesus selbst ein Zeugnis gegen sich abgelegt hat? Er gesteht doch deutlich genug ein, daß alle derartigen Wunder keine unanfechtbaren Kennzeichen einer gött-