Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 56 (1912)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Lehmann-Haupts Buch über Israel
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 149 (sequence 3)
- Language
- German
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Lehmann-Haupts Buch über Israel. 149 sischen aramäischen Übersetzung, eine fast silbenmäßig genaue. Delitzsch's abenteuerliche Behauptungen, die haup.tsächlich' von assyriologisch' nicht geschulten Philologen alten Stiles zur Diskreditierung, der. Inschriftenforschüng ausgebeutet wurden, sollten daher den Laien nicht dazu verleiten, 1däieislejrf־ neuen wissenschaftlichen Disziplin, die eine vielseitigere Altertumsforschung, KulturgegeschiChte, vergleichende Religionswissenschaft, und vor allem ein exakteres Verständnis der. Bibel eigentlieh erst ermöglicht hat, Mißtrauen entgegenzubringen. Delitzsch’s und vieler andern Assyriologen willkürliche Syllogismen dürfen sowenig als Argument gegen die Zuverlässigkeit der Keilschriftforschung dienen, wie etwa die abenteuerlichen biblischen Interpretationen der extremradikalen Kritiker als Beweis gegen die Zuverlässigkeit und Glaubwürdigkeit des Bibeltextes angeführt werden dürfen. Der unerfreuliche Umschlag in dem’ Verhältnis zwischen der biblischen und inschriftlichen ]Wissenschaft hängt somit keineswegs mit dem Subjektivismus in der Lesung der Keil'schrifttexte zusammen. Der, Grund dieser neuen Bewegung ist überhaupt nicht auf Seiten der Inschriftenforschung, sondern auf der der Bibel- Wissenschaft zu suchen. Nicht die Assyriolbgie, sondiern die Bibel ist für den Altertumsforscher der Gegenwart eine andere geworden. Der ältere Assyriologe sah in der Bibel, zu der er sich! wie immer stellen mochte, ein organisches Ganzes, demgegenüber die inschriftlich'en auf die Bibelwissenschaft bezüglichen Angaben wie zerstreute Steinsplitter sich ausnahmen, für die er, keine passendere Verwendung finden konnte, als sie zur. Ausfüllung der lückenhaften Stellen jenes alten Baues zu benutzen. Beiden Arbeitsgebieten wurden dadurch reiche Ernten zu teil. Die verhältnismäßig kurzen Be-