Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 56 (1912)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Lehmann-Haupts Buch über Israel
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 148 (sequence 2)
- Language
- German
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148 Lehmann-Haupts Buch über Israel. sen Skeptizismus;der Assyriologie gegenüber Wat Fr. Delitzsch1 durch' seine Babel-Bibel-Broschüre nur noch gesteigert. Denn wenngleich' seine Irrtümer, bis auf ganz vereinzelte Ausnahmen» nicht sowohl auf falsehen Textlesungen, als vielmehr auf willkürlichen Schlußfolgerungen beruhen, so ist doch bei dem' Laien durch das lärmende Hin und Her der Eindruck erweckt worden, als ob in der Entzifferungswissenschaft über bloße Vermutungen überhaupt nicht hinauskommen könne. Daß jedoch die InsChriftenforschung, ״und insbesondere auch1 die Assyriologie, genau wie jede andere Sprachwissenschaft mit sicheren Hilfsmitteln arbeitet, davon kann sich auch' der Nichtassyriol'oge zur Evidenz überzeugen, durch die Vergleichung derjenigen Berichte der Keilsch'rifturkunden, die in anderen Sprachen ihre Parallelen Waben, mit eben diesen meist erst lange nach der Entzifferung gefundenen Parallelberichten1). Das sicherste und zugleich leichteste Mittel für den Laien, die keilscWriftlichen Lesungen auf ihre Korrektheit zu kontrollieren, bietet z. B. der jüngste jüdische InsChriftenfund von Elephantine mit seiner aramäischen Version der berühmten Behistun-Insch'rift. Dieses größte insChriftliche Sprachdenkmal Altpersiens hat in der Mitte des verflossenen Jahrhunderts den Weg zur Assyriologie eigentlich erst gebahnt, denn die erste Entzifferung rührt aus einer Zeit her, in der die Grammatik und das Wörterbuch der assyrischen Sprache noch' nicht die heutige Vollständigkeit besaßen, und dennoch ist die Übereinstimmung mit der zeitgenös- 1) Vgl. z. B. die keilschriftiiche Episode im Weltschöpfungsepos von der Empörung der Meeresgöttin, die deshalb von Marduk niedergetreten und getötet wurde, mit der Parallelerzählung im Talmud. B. bathra 74a und Midrasch בעט כי והרגו, welch letztere Legende den ersten Entzifferern jenes Keilschrifttextes wahrscheinlich heute noch unbekannt ist.