Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 56 (1912)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Die Grundlagen einer jüdischen Ethik
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 142 (sequence 14)
- Language
- German
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142 Die Grundlagen einer jüdischen Ethik. das ihm zugefügte Unrecht verzeiht, dem verzeiht auch Oott seine Sünden«1). So hat R. Huna allen, die ihm Böses zugefügt haben, stets vergeben2). »Hat einer einen Mensehen in üblen Ruf gebracht und spricht er darauf reuevoll zu ihm: ,Ich habe gesündigt,‘ so soll der Beleidigte ihm vergeben, sonst ist er ein Sünder«3). »Wer sich rächt, an dem wird Oott Rache nehmen und seine Sünden wird er nimmer vergessen. Verzeihe deinem Nebenmenschen eine Beleidigung und alsdann werden, wenn du bittest, auch deine Sünden vergeben werden. Ein Mensch trägt dem andern nach; aber vom Herrn will er Vergebung! Gegen seinen Nebenmenschen hat er keine Nachsicht und er bittet um Nachsicht wegen seiner eigenen Vergehungen? Er, der doch selbst Fleisch ist, grollt unerbittlich; wer soll ihm seine Sünden sühnen? Denk’ an das Ende, laß ab von Feindseligkeit, denk’ an Untergang und Tod und bleibe den göttlichen Gesetzen treu. Gedenke der Gebote: ,Trage dem Nächsten nicht Haß nach‘; gedenke des Bundes des Höchsten und übersieh die Übereilung«4). »Wer das Gebot: ,Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst‘, außer acht läßt, wird auch bald folgende biblische Gesetze übertreten: ,Du sollst dich nicht rächen und nicht nachtragen, du sollst deinen Bruder nicht hassen, dein Bruder soll mit dir leben‘«5). »Schön ist es für einen Menschen, 1) Megilla 28a. Joma 87b. Rosch ha-Schana 17a. 2) Rosch ha-Schana 17a. 3) Bemidbar rabba Par. 19. Vgl. auch Baba kamma 92 a (Mischna): »Wer einem Menschen, der für sein Vergehen um Verzeihung bittet, nicht vergibt, ist grausam«. Rab hatte in seiner Jugend R. Cbanina ein wenig beleidigt, darum ermüdete er nicht, ihn mehrere Male hintereinander um Verzeihung zu bitten (Joma 87b). In seiner Versöhnlichkeit nahm er keine Rücksicht auf seinen Stand. Als er einmal einen Metzger beleidigt zu haben glaubte, begab er sich am Vorabend des Versöhnungstages zu ihm, um sich mit ihm auszusöhnen (Joma 87 a). ף Sirach 28, 1—7. 5) Jalkut zu 5. M. 22, 13.