Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1912-01-01 · Heft 2 · p. Seite 141

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
56 (1912)
Issue
Heft 2
Article
Die Grundlagen einer jüdischen Ethik
Date
1912-01-01
Page
Seite 141 (sequence 13)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
99% known words query
IRI
…/2829132-2829843-2829846-2891284--39405-2891314
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Die Grundlagen einer jüdischen Ethik. 141 ist vortrefflicher als ein Held«1). »Du sollst deinen Bruder nicht hassen in deinem Herzen, du magst ihn zur Rede stellen, auf daß du dir seinetwegen keine Sünde zuziehst; du sollst dich nicht rächen und nicht den Zorn nachtragen gegen die Kinder deines Volkes«2 3). »Du törichtes Menschenherz! Recht schwer wird es dir, dich vor dieser Leidenschaft zu retten. Denn der Mensch fühlt nur zu sehr die Schmach, die ihm angetan worden, und bitterlich weh tut ihm der Schmerz. Rache ist süß, süßer als Honig, denn sie allein gibt ihm die Ruhe wieder. Wenn er aber die Kraft besitzt, sich selbst zu überwinden, und den Mann, der seinen Haß erregt hat, nicht zu hassen und ihm nichts nachzutragen, auch wenn die Gelegenheit sich ihm bietet, wenn er alles vergißt und aus seinem Herzen reißt, als wäre es nie gewesen, dann ist er ein Starker und ein Held. So zu handein hat Gott nun einmal befohlen«8) »Wer seinen Nächsten haßt, gleicht einem Mörder«4). »Wenn jemand, der dir einst eine Gefälligkeit verweigert hat, später von dir selbst eine Gefälligkeit wünscht, so darfst du ihm seine frühere schlechte Handlungsweise nicht nachtragen, indem du sprichst: ,Da du mir keine Gefälligkeit erwiesen hast, so gewähre ich auch dein Verlangen nicht‘, oder: ,Sieh! ich bin nicht so schlecht wie du, ich erfülle dein Verlangen gern!‘«5). »Sprich nicht: Wie er mir getan hat, will ich auch ihm tun und ich will einen jeden nach seinem Tun vergelten«6), denn »wer Böses mit Bösem vergilt, von dem weicht nie das Unglück«7). »Wer aber seinem Nächsten 1j Spr. 16, 32; vgl. Pesachim 66: »Wer zürnt, von dem geht, wenn er ein Prophet ist, die Prophetie fort«. 3 ף. M. 19, 17. 3) M. Ch. Luzzato, Mesillat Jescharim, hrsg. J. Wohlgemut, Berlin 1906, 32. 4) Derech erez rabba Kap. 11. ä) Baba mezia 31. Joma 22. Jalkut Abschn. 613. ף Spr. 24, 19. 7j Bereschit rabba Par. 38.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.