Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 56 (1912)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Die Grundlagen einer jüdischen Ethik
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 135 (sequence 7)
- Language
- German
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Die Grundlagen einer jüdischen Ethik. 135 wodurch kein Mensch dem andern gleicht1). Der Mensch stellt also ein kleines Abbild der göttlichen Weisheit dar, er personifiziert das Bildnis des göttlichen Königs. Ebenso wie derjenige, der mit des Königs Bilde Unfug treibt, hierdurch die Majestät selbst beleidigt, so hat derjenige, der einen Menschen mißachtet, gleichsam Gott geschmäht2). Demzufolge sollen wir nicht nur uns selbst lieben, sondern jedem Menschen Achtung zollen. Daher ist es bei Todesstrafe verboten, einen Menschen zu stehlen, um ihn gleich einem Stück Vieh zu verkaufen3). Versagung der Anerkennung der Menschenwürde wäre ja Leugnung des göttliehen Ebenbildes. »Die Ehre deines Nächsten soll dir so lieb sein wie die deinige«4), darum »verachte keinen Menschen«5), denn »wer seinen Nächsten verachtet, ist ein Sünder«6), wer des Armen spottet, lästert Gott«7). »Wer seinen Nächsten öffentlich beschämt, gleicht einem Mörder«8), er kommt nicht ins Jenseits9). Deshalb waren die palästinensischen Juden vor allen Dingen stets darauf bedacht, niemanden zu beschämen10). »Weder sich selbst noch einem andern darf man fluchen«11). »Man ehrt Gott dadurch, daß man jeden Menschen ehrt«12). »Die Ehre eines Menschen soll man viel höher halten, als irgend ein anderes 1) Sanhedrin 37 a. 2) Schemot Rabba Par. 30; vgl. 1 Mos. 9, 6; 5 M. 21, 23. ») 2 M. 21, 16; 5 M. 24, 7. *) Abot 2, 12. 5) Baba kamma 93. Abot 4, 3. 0) Spr. 14, 21. ’) Spr. 17, 5, vgl. 3 M. 19, 14. 8) Baba Mezia 58 b, Sanhedrin 107. 8) Abot 3, 15. 10) Baba Mezia 58b; vgl. auch Berachot 43b, Sota 10b: »Man soll sich lieber in einen brennenden Ofen werfen lassen, als daß man seine Nebenmenschen beschäme«. “) äebuot 35 a. Abot 4, 1.