Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 56 (1912)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Die Grundlagen einer jüdischen Ethik
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 134 (sequence 6)
- Language
- German
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134 Die Grundlagen einer jüdischen Ethik. werden1), während bei den Persern und Babyloniern nicht nur der Verbrecher selbst, sondern auch dessen ganze Familie bestraft wurde2 *). Im Judentum ist der Schwerpunkt des Lebens in das Individuen verlegt. Mit derselben Energie, wie man sich selbst zu achten hat, soll man auch jede andere Person achten. Als sittlich schaffendes Wesen hat jeder einzelne seine Existenzberechtigung und stellt einen unschätzbaren Wert für den Weltzweck dar. »Ein einziger Mensch ist ebensoviel wert wie die ganze Weltenschöpfung«8). »Wer nur ein einziges Menschenleben vernichtet, hat gleichsam die ganze von Oott erschaffene Menschenwelt vernichtet, wer aber nur ein einziges Menschenleben rettet, hat gleichsam die ganze Menschenwelt gerettet«4 *). Diese erhabene Lehre von der Hochschätzung des Individuums hat auch Muhammed vom Judentum übernommen. So heißt es im Koran6). »Daher haben wir den Kindern Israel vorgeschrieben, daß derjenige, der nur einen einzigen umbringt... gleichsam alle Menschen umgebracht hat, der aber nur einen am Leben erhält, gleichsam das Leben aller errettet hat.« Diese Wertschätzung der Persönlichkeit beruht hauptsächlich auf der biblischen Lehre, daß jeder Mensch ein Ebenbild Gottes sei6). Die wichtigste Lehre der Bibel ist nach Ben-Asai in dem Satze 1. Mos. 5, 1 enthalten, wonach der Mensch im Ebenbild Gottes erschaffen ist7). Jedem einzelnen hat Gott nicht nur seine Ebenbildlichkeit aufgedrückt, sondern ihn auch mit einer Individualität versehen, ף Vgl. 5 M. 24, 16; 2 Kön. 14, 6; Ez. Kap. 18. *) Diese Auffassung herrschte auch in altisraelitischer Zeit, vgl. Jos. c. 7; II. Sam. c. 24. ’) Abot d. R. Na tan c. 31. 4) Mischna Sanhedrin 4, 5. Talm. Sanhedr. 37 a. Abot d. R. Natan c. 31. 6) Sure 5, 35. >) 1 Mos. 1, 27. 9, 6. 7) Sifra 3 M. 19, 18, Bereschit Rabba Par. 24, Jalkut zu 3 M. 19, 18, Jer. Nedärim 9, 3.