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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1912-01-01 · Heft 2 · p. Seite 133

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
56 (1912)
Issue
Heft 2
Article
Die Grundlagen einer jüdischen Ethik
Date
1912-01-01
Page
Seite 133 (sequence 5)
Language
German
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Die Grundlagen einer jüdischen Ethik. 133 der jüdischen Ethik gründlich bearbeiten will, einen brauchbaren Entwurf bilden. Ich will nun einige Abschnitte, die bei Lazarus nur dürftig skizziert und fast ohne Belegstellen sind, in der Form ausführen, wie ich mir die Grundlagen einer jüdisehen Ethik denke. l. Nächstenliebe. a) Hochschätzung des Individuums. Das Judentum lehrt die heiligste Achtung vor jedem Individuum, während im heidnischen Altertum auf die einzelne Person und ihre Berechtigung fast gar nicht Rücksicht genommen ist. Das Individuum wird im Judentum als Selbstzweck hingestellt. In Gegensatz zu Plato, der die Aufopferung, die ausschließliche Hingabe des Individuellen an das Allgemeine, als Ideal aufstellt, betont das Judentum das Prinzip der persönlichen, subjektiven Freiheit1). Nicht Unterdrückung, sondern freie Entwicklung der Individualität wird geboten. Eine Folge davon ist die Selbstachtung, die den Menschen erst von jedem andern Geschöpf unterscheidet, ihn auf die Stufe sittlichen Strebens erhebt, und ihn so zu einer Persönlichkeit heranreifen läßt. »Jeder Mensch soll annehmen, daß nur um seinetwillen die Welt erschaffen ist2 3«). »Wer sich selbst verachtet, kann auch andere nicht lieben«8). Daher ist es verboten, sich selbst zu verwünschen.4). Durch die Selbstachtung wird auch das Selbstverantwortungsgefühl hervorgerufen. Nach dem biblischen Gesetz durfte nur das Individuum, das sich vergangen hat, zur Verantwortung gezogen *) Vgl. Kidduschin 92: Gott hat verkündet: »Ihr Israeliten seid meine Knechte, nicht aber Knechte von Knechten«, vgl. auch 3 M. 25, 42. 55. 2; Sanhedrin 37a; vgl. auch Ps. 8, 6—7. 3; Obadja v. Bertinoro zu Pea 8, 9. 4j Sebuot 35a.

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