Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 56 (1912)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Die Grundlagen einer jüdischen Ethik
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 131 (sequence 3)
- Language
- German
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Die Grundlagen einer jüdischen Ethik. 131 telt werden. Daher kommt es auch, daß christliche Forscher eine solche Ethik nicht als »Ethik des Judentums« gelten lassen wollen, und daß sogar ein auf diesem Gebiete vollkommener Laie, wie W. Sombartin seinem Werke: »Die Juden und das Wirtschaftsleben« ganz neues, ungeheuerliches, aber zum größten Teil willkürlich entstelltes Material zur Beleuchtung der jüdischen Ethik vorzubringen wagt. Dagegen sind nach Sombart »die Darstellungen der Ethik von Lazarus alle auffallend unvollständig, zum Teil möchte man glauben, der Verfasser färbe tendenziös; was Lazarus z. B. im 8. Kapitel seiner Ethik über die Pflichten Israels gegen Fremde sagt, macht seinem humanitären Herzen alle Ehre; mit der historischen Wahrheit geht er recht willkürlich um. Es ist doch kaum statthaft, daß man alle Queilenstellen, die das Gegenteil der verfochtenen Meinung besagen, einfach ignoriert« (Sombart a. a. O. S. 468). Dieses zeigt uns, wie wichtig ein Werk wäre, das ein vollständiges Quellenmaterial über die jüdische Ethik enthielte. Dann hätte sich auch Sombart nicht gänzlich unzuverlässigen Gewährsmännern anvertraut. Lazarus selbst gesteht zu, daß seine Ethik vielfach ein rein subjektives Gepräge habe. So z. B. in dem kürzlich erschienenen 2. Bande1): »Ais Ethik des Judentums trage ich nach bestem Wissen und Gewissen den Inhalt dieses Paragraphen vor, aber für diesen übernehme ich allein die Verantwortung; ich werde es keinem verargen, der meinem Richtmaß sein eigenes entgegenhält.? Während jedoch der erste Teil seines Werkes wenigstens in einer klar durchdachten und wunderbar abgerundeten Form abgefaßt ist, ist im 2. Teil kein einziges Kapitel recht ausgearbeitet, und nur allzudürftig sind die jüdischen Belegstellen, ln einem sehr unfertigen Zustande hat leider der Verf. das Werk zurückgelassen. Die rühmlichst bekannten Herausgeber J. Winter und A. Wünsche, haben sich nun zwar der großen?) M. Lazarus, Ethik des Judentums, hrsg. v. J. Winter und A. Wünsche, Frankfurt a. M. (J. Kauffmann) 1911, S. 150. g*