Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1912-01-01 · Heft 2 · p. Seite 130

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
56 (1912)
Issue
Heft 2
Article
Die Grundlagen einer jüdischen Ethik
Date
1912-01-01
Page
Seite 130 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2829132-2829843-2829846-2891284--39394-2891303
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

130 Die Grundlagen einer jüdischen Ethik. gleich Menschenliebe zu üben, der gleichet einem Gottlosen«1). Die ganze heilige Gesetzeslehre ist nach Philo2) nur das Symbol der Liebe. Die jüdische Ethik ist mit der jüdischen Gotteslehre derart eng verwachsen, daß sie mit ihr eine unauflösliche, unabtrennbare Einheit bildet. So wird z. B. die ethische Lehre, daß man selbst schädliche Tiere nicht durch Entziehung von Nahrung und Wasser auf elende Weise langsam zugrunde gehen lassen solle, aus dem biblischen Satze: »Wenn dein Feind hungert, so speise ihn, wenn ihn dürstet, so gib ihm zu trinken« (Spr. 25, 21), abzuleiten gesucht3). Die Tora, die Glaubenslehre, soll zur Veredlung des ganzen Menschen dienen, soll ihn demgemäß auch zur ethischen Vollkommenheit heranbilden. Die urwüchsige Kraft unserer Religion beruht hauptsächlieh auf ihrem reichen Ideengehalt. Es wäre nun eine erhabene Aufgabe, den ewigen Wert dieser Ideen für die Weltkultur klarzulegen. Ein grundlegendes Werk, welches die »jüdische Ethik« darstellen will, muß daher vor allen Dingen sämtliche ethische Gedanken aus dem ganzen älteren Schrifttum methodisch geordnet zusammenfassen. Hierdurch gewinnt man ein Gesamtbild von der jüdischen Sittenlehre. Es darf hierbei auch nicht das Material unterdrückt werden, das einer hohen ethischen Denkweise zu widersprechen scheint. Nur ein Werk, das auf einer derartigen Basis aufgebaut ist, in dem man vor allem das Quellenmaterial sprechen läßt und nur die aus demselben sich notwendig ergebenden Schlüsse enthalten sind, wird von allen als »jüdische Ethik« anerkannt werden. Die »Ethik des Judentums« von Lazarus dagegen ist nur eine von jüdischen Ideen durchtränkte moderne Ethik, in welcher zuweilen in unwissenschafilicher Weise Midraschstellen homiletisch-geistreich gedeu- *) Aboda sara 17 b. 2) De nom. mut. I, 586. 3) Bereschit Rabba Par. 54, Pesikta de R. Kahana P. 10.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.