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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1912-01-01 · Heft 2 · p. 129

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
56 (1912)
Issue
Heft 2
Article
Die Grundlagen einer jüdischen Ethik
Date
1912-01-01
Page
129 (sequence 1)
Language
German
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Die Grundlagen einer jüdischen Ethik. Von J. Seheftelowitz. Das ganze alte jüdische Schrifttum unterscheidet noch nicht zwischen den Gesetzen der Moral und denen der Religion, beide erscheinen als Ausflüsse desselben göttliehen Geistes. »Die jüdische Sittenlehre ist,« wie Hermann Cohen sagt1 2 *), »nichts anders als die jüdische Glaubenslehre. Daher konnte es in dem Gedanken und der Tendenz der Unterscheidung niemals bisher eine jüdische Sittenlehre geben;« denn sie »bildet den innern Quell, genauer das sachliche Prinzip der jüdischen Religion.« Mit Recht sagt daher der Talmud: »Die Tora lehrt von Anfang bis zu Ende durchweg nur Liebeswerke«8). »Wer sich aus wahrhafter Liebe zu Gott mit der Tora befaßt, der hat auch gelernt, werktätige Liebe zu üben«8). »Wer sich uneigen־ nützig dem Torastudium widmet, der liebt Gott und die Menschen, der erfreut Gott und die Menschen. Die Tora bekleidet ihn mit Demut und Gottesfurcht, macht ihn befähigt, gerecht und fromm, redlich und freu zu sein, sie schützt ihn vor der Sünde; und jedermann gewinnt von ihm Rat, Hilfe, Einsicht und Stärke; er ist bescheiden, langmütig und vergibt die ihm zugefügte Kränkung«4 *). »Beschäftigt sich aber jemand nur mit der Tora, ohne zuv) 111 dieser Monatsschrift 1899 S. 370. Erst Saadja hat im Judentum eine Trennung von Religion u. Ethik vorgenommen, vgl. D. Rau in Monatsschrift f. Oesch. u. Wiss. d. Jud. 1911 S. 390, 399. 2) Sota 14 a. s) Sukka 49,b; vgl. auch Maimonides: Schemonah Perakim 4, 8: »Alle Gebote der Tora haben den Zweck, die Seelenkräfte zu zügeln und sie an Tugenden zu gewöhnen־. 4) Perek Kinjan Tora 1, vgl. auch Joma 8a. Monatsschrift, 56. Jahrgang. 9

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