Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 55 (1911)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Protokoll über die Sitzung des Ausschusses der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums [Nachricht]
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 759 (sequence 3)
- Language
- German
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Protokolle, 759 Gefahren bedrohte. Diese Aufgabe der Versöhnung des Judentums •mit dem modernen Kulturleben hat, freilich unterstützt durch die Gunst der Umstände, Ludwig P h i 1 i p p s o n mit bewundernswertem Erfolge ihrer Erfüllung näher geführt. Er hat das Selbstbewußtsein in den Juden geweckt, hat sie mit Stolz auf ihre Vergangenheit erfüllt und hat ihnen Mut und Vertrauen zu ihrer Zukunft eingeflößt. Ein halbes Jahrhundert stand er auf der Warte, hat er, mit weit ausschauendem Blicke die Strömungen des Völkerlebens beobachtend, sich stets in Bereitschaft gehalten, für das Judentum einzutreten, mit unerschrockenem Mute jedem entgegentretend, der die Ehre und das Ansehen des Judentums anzutasten wagte. Wo immer ein Gegner sich erhob ייגש אליו ידידה da trat Jehuda P h i 1 i p p s o n an ihn heran und wehrte seine Angriffe siegreich ab. Darum kann auch keine Partei ausschließlichen Anspruch auf ihn erheben, er gehörte dem ganzen Judentum, Mein Vater, fährt der Redner fort, ein gelehrter Talmudist alten Schlages, stand in keiner Welse auf dem religiösen Boden P h i 1 i p p s o n, aber so sehr war auch er von dessen Bedeutung durchdrungen, daß er eines Tages persönlich für eine Ehrung dieses verdienten Mannes eintrat. Ludwig P h i 1 i p p s o n hat seine ganze Persönlichkeit in den Dienst des Judentums gestellt, ja, noch mehr, er hat der von ihm übernommenen Aufgabe seine persönlichen Neigungen zum Opfer gebracht. Die Abhandlung Hermann Cohens, die in die von der Familie unserer Gesellschaft gewidmeten gesammelten Schriften Ludwig P h i 1 i p p s o n s Aufnahme gefunden hat und die diesem pietätsvollen Werke zu besonderem Schmucke gereicht, hat neuerdings wieder gezeigt, wie Großes man von Ludwig Philippsoa auf Grund seiner Jugendarbeit auf rein wissenschaftlichem Gebiete erwarten durfte, er hat, wenn er sich auch der Wissenschaft nie ganz entfremdet hat, seine persönlichen Neigungen überwunden, um dem ganzen Judentum zu leben. Und wie wir im Schriftabschnitt des nächsten Sabbats von unserem Erzvater Jakob lesen, daß er segnend aus dem Leben schied, im Hinblick auf seine Kinder, von denen er sicher war, daß sie seinem Vermächtnis die Treue wahren würden, so durfte auch er segnend aus dem Leben scheiden. Seine Kinder und Schwiegerkinder haben sein Werk fortgeführt, insbesondere sein ältester Sohn, als Führer der deutschen Judenheit, als Vorsitzender des Gemeindebundes und als Mitarbeiter an allen großen Organisationen des Deutschen Judentu ms. Nicht zuletzt auch als Vorsitzender unserer Gesellschaft, welche ja eine der vornehmsten Schöpfungen Ludwig P h i l i p p s o n s, das Institut zur Förderung jüdischer Literatur, wieder zu neuem Leben erweckt hat.