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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1911-01-01 · Heft 6 · p. Seite 758

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
55 (1911)
Issue
Heft 6
Article
Protokoll über die Sitzung des Ausschusses der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums [Nachricht]
Date
1911-01-01
Page
Seite 758 (sequence 2)
Language
German
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758 Protokolle. E n t s c h u l d i g t die Herren: Adler, Bacher, Blau, Kroner, Lucas, Mittwoch, Schwarz, Simon, Simonsen. Vor dem Eintritt in die Tagesordnung ergreift Herr Rabb. Prot Dr. Gu11tnann-Bresiau das Wort zu folgender Ansprache: Gestatten Sie mir, sehr geehrter Herr Vorsitzender, Sie und Ihre ganze Familie im Namen unserer Gesellschaft zu dem Gedenktage zu: beglückwünschen, den Sie in der vergangenen Woche begangen, haben. Wir alle, die ganze deutsche Judenheit, ja, die Judenheit aller Länder begeht mit Ihnen in dankbarer Erinnerung den Tag, an dem ihr vor hundert Jahren Ludwig Philippson als eine wahrhaft providentielle Persönlichkeit ist gegeben worden. Sie wendet auf ihn den Satz der Schrift an, den wir am nächsten Sabbat lesen werden : »Juda, dir huldigen deine Brüder, deine Hand am Nacken deiner Feinde, es bücken sich vor dir die Söhne deines Vaters.« Lebt doch sein Geist noch heute in unverwelklicher Kraft und Frische unter uns, hat er doch dem Judentum der Gegenwart in hervorragemdster Weise seinen Stempel aufgedrückt. So fruchtbar das vergangene Jahrhundert auch an großen Männern in unserer Mitte gewesen ist, die für das Leben oder für die Wissenschaft des Judentums Hervorragendes und Bahnbrechendes geleistet haben, keiner, das darf man sageu, hat in solchem Umfange, so anregend und befruchtend, so aufklärend und erleuchtend wie er auf das Judentum gewirkt. Das große Erlösungswerk, das ein anderer Sohn der Dessauer Gemeinde begonnen, ist von Ludwig P h i I i p p s o n in glücklicher Weise fortgeführt worden. Das Judentum aus dem geistigen Ghetto zu befreien, in das es ein Martyrium ohnegleichen, eine Leidensgeschichte von Jahrtausenden eingepfercht hatte, die deutsche Judeaheit der Teil!״ nähme an der Kulturarbeit und dem Geistesleben des deutschen Volkes zuzuführen, das war die Aufgabe, die Moses Mendels» sohn sich gestellt und zu deren Verwirklichung er besonders durch seine Bibelübersetzung den Grund gelegt hat. Aber eines ist ihm nicht gelungen und konnte ihm in Anbetracht der damaligen Zeit- Verhältnisse nicht gelingen, die Brücke zu schlagen zwischen dem von 8hm streng festgehaltenen traditionellen Judentum und den Anschauungen und Bedingungen des modernen Lebens. Er hat in ,seinem »Jerusalem« sich ein System erdacht, wie man ein deutscher Philosoph und zugleich ein gesetzestreuer Jude sein könne. Aber dieses System war gleichsam auf seine Person zageschnitten und auf die Gesamtheit nicht übertragbar. So kam es, daß in der ihm folgenden Generation im Kreise der nach moderner Bildung strebenden Juden und in erster Reihe in seiner Familie selbst ein Geist der Auflösung und Zersetzung sich geltend machte, der das Judentum mit den schwersten

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