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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1911-01-01 · Heft 6 · p. Seite 723

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
55 (1911)
Issue
Heft 6
Article
Die Ethik R. Saadjas
Date
1911-01-01
Page
Seite 723 (sequence 11)
Language
German
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Die Ethik R. Saadjas« 723 *rcp^ov in den gedachten Umständen und Verhältnissen enthalten ist, das nun entweder gewahrt oder verletzt wird. Dieses xpexov oder Passende und Angemessene hat seinen eigenen selbständigen Wert, der zu dem ersten schon vorhandenen noch hinzukommt und dadurch die Steigerung bewirkt Die Gottesverehrung der Frommen hat also darum einen höheren Wert als die anderer Menschen, weil sie den Frommen ganz besonders ziemt, und ebenso verdient umgekehrt, um von den Gegensätzen nur ein Beispiel anzuführen, der Hochmut des Niedrigstehenden deshalb eine strengere Verurteilung als der des Hochstehenden, weil er ihm nicht ziemt und deshalb ganz unpassend ist Daß Saadja alle diese Urteile nach ästhetischer Wertschätzung gefällt habe, haben wir umsomehr Grund anzunehmen, als er selbst das Schöne als das den Umständen nach Angemessene definiert hat und dann, weil auch bei Plato, von dem Saadja und wahrscheinlich schon sein Gewährsmann Salomo, der vermeintliche Verfasser des Buches Kohelet, beeinflußt ist, das xpsxov dasjenige ist, welches bewirkt, daß alles, womit es sich verbindet, als ov erscheint1). Der ästhetische Wert des Sittlichen bleibt aber nicht auf das ׳rupixov beschränkt, sondern nähert sich bei Saadja ähnlich wie bei Plato dem des ethisch Guten, mit dem es dann zusammenfällt Das Schöne ist nicht bloß, wie wir es nach Saadja oben definiert haben, das der Zeit oder den Verhältnissen nach Passende und Angemessene, sondern es hat seinen eigenen Inhalt, der vorwiegend den Tugend״ begriff in sich enthält, aber teilweise auch schon in den Pflichtbegriff hinüberspielt und dadurch mit dem Inhalt des ethisch Guten übereinstimmt. »Die Vernunft« heißt es an einer Stelle3), »hält die Gerechtigkeit und die Rechtlichkeit für etwas Schönes, und ebenso betrachtet sie als etwasi *) Plato, Hippias maj. p. 294 ף Emunot ix, s, 130: כן שייסד, לשכלו הצדק והיושר, ולצוות בטוב וליד,זהר מן הרע.... 46*

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