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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1911-01-01 · Heft 6 · p. Seite 719

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
55 (1911)
Issue
Heft 6
Article
Die Ethik R. Saadjas
Date
1911-01-01
Page
Seite 719 (sequence 7)
Language
German
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Die Ethik R. Saadjas. 719 nunft das Objekt des Strebens als zu irgend etwas brauchbar erkennt. Da nun aber unendlich vieles nützlich und brauchbar sein kann, so muß auch das Prädikat »gut« ebensovielen Objekten zugeschrieben werden, und das Gute kann durchaus nicht einzig auf ein Objekt allein beschränkt werden. Saädja erkennt dies im zehnten Abschnitt an und unterläßt es absichtlich den Begriff des Guten zu fixieren, ja durch seine Kritik der dreizehn verschiedenen Lebensrichtungen bestreitet er sogar, was er in seiner Religionsethik behauptet1), daß es bei der Mannichfaltigkeit der menschlichen Natur einen einheitlichen Begriff des höchsten Gutes geben könne. Ein solcher Begriff erscheint ihm dort vielmehr ganz unberechtigt, einmal weil wir nicht bloß eine Neigung, sondern viele Neigungen haben, die alle berechtigt sind8), und dann, weil jedes Gute, welches als ein vermeintlich Höchstes einseitig erstrebt wird, bei näherer Untersuchung eine ganze Reihe von Übeln in seinem Gefolge zeigt8). Es läßt sich das Gute nicht einheitlich bestimmen, und Saadja beweist uns, daß selbst König Salomo, der sich mit dieser Frage eingehend beschäftigte, es nicht vermocht hat. Er fand nur immer einzelne Objekte, in denen das Gute enthalten war, und konnte uns nur andeuten, daß das Gute nur durch Beobachtung auf empirischem Wege zu erforschen sei4). Neben dieser relativen Wertschätzung des Guten, in der als gut nur gilt was nützlich, und als böse was schädlieh ist, erkennt Saadja auch einen absoluten Wert des Sittlichen an, der vom Begehren und Streben ganz unab- >) Ecnunot 111, s. 58: ההצלחה הגמורה והטובה השלמה. a) das. X, S. 144 unten; 145 ff. s) das. X. S. 147—158 in der Untersuchung der dreizehn verschiedenen Lebensrichtungen. *) das. x, S. 146 oben: שמצאתי החכם שלמה בן דוד שהתעסק בזה להודיענו מה הוא הטוב ... וכוי, das.: אף רמו בתוך השערים האלה ... ולא נניח לעיי] במה שהוא הטוב, כמו שאמד, תרתי אני בלבי למשוך ביין את בשר•־, vgl. übrigens Strümpell a. a. O. S. 247 über Platos Begriff des Güten.

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