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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1911-01-01 · Heft 6 · p. Seite 716

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
55 (1911)
Issue
Heft 6
Article
Die Ethik R. Saadjas
Date
1911-01-01
Page
Seite 716 (sequence 4)
Language
German
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716 Die Ethik R. Saadjas. schließen, daß wie die Vernunft für das-Erkennen sie auch ebenso für das sittliche Handeln das erste Prinzip werde bilden müssen. Allein in der Erforschung der Wahrheit legt die Vernunft »die Realität der Dinge ihrer Erkenntnis zu Grunde« und richtet sich nach ihnen1), wonach soll sich aber die Vernunft in der Erkenntnis des Guten richten oder woran erkennt sie das Gute? Diese Frage gerade hat von Sokrates bis zur Gegenwart die verschiedensten Beantwortungen gefunden, und diese hauptsächlich bilden die Differenzpunkte der verschiedenen ethischen Systeme. Die Vernunft kann, da es sich in der Ethik hauptsächlich um den Menschen handelt, das Gute als etwas auffassen, das in Beziehung zum menschlichen Streben steht. Der Mensch erstrebt naturgemäß sein Wohlbefinden; also wird die Vernunft das Wohlbefinden,; sei dieses nun das Wohlbefinden des Einzelnen oder der Gesamtheit oder das Wohlbefinden des Einzelnen und zugleich der Gesamtheit als »Gut« bezeichnen. Folgerichtig wird sie aber auch nicht umhin können, ailes, was dieses Gut erreichen hilft, »gut« zu nennen. Die Ethik wird dadurch zur Güterlehre, die alles nur nach dem Maßstabe des Nutzens und Schadens beurteilt. Die Vernunft kann aber auch das Gute mit einem gewissen Zustande oder einer Beschaffenheit des Menschen oder seines Handelns in Beziehung setzen und dann diesen Zustand oder diese Beschaffenheit als »gut« bezeichnen. Die Ethik wird dann bei diesem Charakter des Guten zur Tugendlehre. Es kann sich endlich die Vernunft das Gute auch als etwas Selbständiges, an und für sich Seiendes, wie zum Beispiel den Begriff des Wahren, denken und es» weil es ein absolut Wertvolles und Würdiges ist, zugleich für ein Notwendiges halten, das der Mensch in seinen Gesinnungen und Handlungen zum Ausdruck bringen muß. *) Emunot Einleitung S. 6: והחכם המשובח מי ששם אמתות הדברים שרש ומנהיג עליהם דעתו... והכסיל המגונה מי ששם דעתו לשיש וחושב בי אמתות הדברים הולכות אחר דעתו..י, vgl. 1, S. 34 unten,

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