Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1911-01-01 · Heft 6 · p. Seite 708

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
55 (1911)
Issue
Heft 6
Article
Die Kompetenz der Gerichtshöfe
Date
1911-01-01
Page
Seite 708 (sequence 10)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2829132-2829835-2829842-2891128--39178-2891219
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

708 Die Kompetenz der Gerichtshöfe. die nötigen Kenntnisse hatten. Im Gegenteil. Wir haben schon in unserer * Entstehung des Talmuds« auf die Tatsache hingewiesen, daß auch in den modernen Staaten, wo der Adel und der Klerus das Heft in Händen haben, die Söhne der Vornehmen die juridische oder geistliche Laufbahn wählen, um hohe Ämter bekleiden zu können. So war es auch in Judäa: »Die Söhne der Höhenpriester« werden ja noch in der Mischna als Autoritäten in eherechtlichen Fragen angeführt (Kethubb. XIII, 1—2, vgl. auch ebendas. I, 5) und die große Menge von Briefen, die aus den »Provinzen am Meere« an diese gerichtet wurden, enthielten ohne Zweifel religiöse Anfragen (Oholoth XVII Ende). Wie sich aber die Lehre in den Häusern der vornehmsten Familien erhalten hat, dafür genügt der Hinweis auf die Familie der Patriarchen in Judäa, die von königlichem Geblüte war, und der Jahrhunderte hindurch die bedeutendsten Gesetzeslehrer, Männer wie Hillel, R. Gamaliel I und II, R. Simon ben Gamaliel, R. Jehuda ha-Nassi 1 und 11 entstammten. So wird es auch in manchen anderen vornehmen Familien gewesen sein. Wie jede Institution, hat auch diese im Wechsel der Zeiten wichtige Änderungen erfahren. Durch den griechischen Geist, der mit Alexander dem Großen seinen Einzug in Judäa gehalten, sind manche Stützen des Glaubens wankend geworden. Und wie in allen Ländern und zu allen Zeiten, waren es auch in Judäa zunächst die reichsten und vornehmsten Kreise, die sich der Genußsucht ergaben und griechische Sitten annahmen — sie wurden Sadduzäer. Zuerst natürlich im Leben, dann in der Lehre. Das Volk hielt es aber mit den gesetzestreuen Pharisäern, die dadurch den größten Einfluß hatten. Nicht erst seit der Regierung Salome Alexandras (76 v. Chr.), wie Schürer meint, sondern bereits früher. Sie standen schon zur Zeit Johann Hyrkans »in so hohem Ansehen bei dem jüdischen Volke, daß man auf ihre Worte hörte, selbst wenn diese gegen den König

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.