Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 55 (1911)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Eine unbekannte jüdische Sekte
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 696 (sequence 31)
- Language
- German
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696 Eine unbekannte jüdische Sekte. 5, 7: ולוקחים איש את בת .אחיהם♦ Wie S. schon bemerkt stimmt unser Verfasser mit den Samaritanern und Karäern überein, die eine Ehe zwischen Onkel und Nichte für Blutschände erklären. Die Ansicht Estori Parchis1), daß diese beiden Sekten darin arabischem Gebrauch folgten, wird von unserem Text widerlegt und wir sehen daraus, daß wir es mit einer von den Pharisäern abweichenden alten Halachah zutun haben. Ein fernerer Beweis für das Alter dieser Halachah ist die Tatsache, daß auch die Falascha solche Ehen ver־ bieten. So heißt es in dem von Haievy veröffentlichten Pseudepigraph Baruch2), fol. 120 r., daß in einer Abteilung der Hölle, diejenigen sich befinden, die mit ihren Nichten Umgang haben. Sogar aus talmudischen Quellen läßt sich nachweisen, daß eine Opposition gegen diese Ehen existiert hat, denn nur so läßt sich erklären warum der Talmud — Jebamot 62 b, Ende — gerade solche Ehen als eine besonders Gott gefällige Handlung empfiehlt3). Die Pharisäer hätten wohl nie ihre erleichternde Entscheidung durchgesetzt, wenn sie einfach solche Ehen nur für erlaubt erklärt hätten, wenige hätten sich bereit gefunden, Ehen zu schließen, die von manchen als Blutschande angesehen werden. Erst als die Pharisäer solche Ehen zu einer gottgefälligen Handlung stempelten, verlor sich die Opposition gegen sie; auf der einen Seite eine von den Pharisäern als gottgefällig empfehlende Handlung, auf der anderen Seite eine häretische Ansicht, die diese Handlung für Sünde erklärt — da konnte für die Mehrheit 1) כפתור ופרח V Ende; Zunz. Oes. Schrift, II, 303; Steinschnei־ der. Polemische Lit. 398, Anm. 1, und Wreschner, Samar. Tradit. XIV. 3) Erschienen als Anhang zu Te'ezaza Sanbat, Paris 1902. s) Schorr ^הדזלו VII, 34 glaubt hierin persischen Einfluß zu finden, aber in den von ihm aus persischen Quellen angezogenen Stellen werden Verwandtschaftsehen empfohlen, die den Juden als verböte״ gelten! Uber die Frage, ob der Talmud nur בי אחותו oder auch ב׳ אחיו meint, vgl. Tosafot z. St. und Maimonides Issure Biah III, 14.